Unterwegs / On the road

NorthCape4000: Warum die BMC Roadmachine — und nicht Aero oder Gravel

Tom · 8.1.2026

NorthCape4000: Warum die BMC Roadmachine — und nicht Aero oder Gravel
Toms NC4K-Setup

Kurz zum Rahmen: NorthCape4000 2026, für mich die Strecke ab Berlin Richtung Nordkap — offiziell Abenteuer, kein Rennen (northcape4000.com). Persönlich will ich trotzdem effizient unterwegs sein (Selbstreferenz); viele auf der Route tun ähnlich — das ist Feldrealität, nicht der Event-Charakter. Hier geht es um die Wahl des Rads und des Cockpits; Taschen, Strom und Navi bleiben im Setup-Überblick.

Zwei aktuelle Räder — und kein klares Ja

Nach der Zusage habe ich zuerst geschaut, ob eines meiner beiden laufenden Räder reicht: eine sehr scharfe BMC Aero-Rennmaschine, mit der ich unter anderem Alpenbrevet fahre, oder meinen Open W.I.D.E-Graveler, mit dem wir Island umrundet haben. Beides ist stark — aber keines der beiden Konzepte hat mich für diese Mischung aus Distanz, Asphalt-Bias und Alltags-Handling vollends überzeugt.

Anforderungen statt Bauchgefühl

Ich habe die Anforderungen für die Route und meinen Körper systematisch sortiert und mit jahrelanger Erfahrung von langen Expeditionen abgeglichen. Achtung: Nerd-Alarm — dabei hat auch KI-gestützte Deep-Recherche geholfen, Lücken und Vergleichsachsen schneller sichtbar zu machen; die Entscheidung bleibt aber bei mir und bei dem, was ich in der Praxis schon gefahren bin.

Roadmachine und Open UP — was übrig blieb

Am Ende waren zwei Basen übrig: ein neues Open UP und die BMC Roadmachine. Open Bikes sind ohnehin fantastisch; eine Roadmachine hatte ich schon und war damit auf Langstrecke enorm zufrieden. Für das NC4K habe ich mich für die Roadmachine entschieden: sportlich, aber äusserst komfortabel — genau der Kompromiss, den ich für 10 bis 16 Stunden am Tag auf dem Rad brauche.

Stauraum im Rahmen

Ein wichtiger Grund für den Entscheid zur Roadmachine war der integrierte Stauraum im Rahmen: eine schlanke, entnehmbare Tasche für Werkzeug und Ersatz — Schlauch, Dynaplugs (für Tubeless-Reparaturen), Quicklink fürs Kettenglied und was sonst noch minimal dazu muss. Ich habe eine zweite solche Tasche besorgt und nutze damit das gesamte Unterrohr als zusätzlichen Stauraum. Bei solcher Ultradistanz ist das mitentscheidend — es muss weniger draussen am Rad mitgehangen werden.

Rahmentasche und Flaschen (56er Rahmen)

Fürs NC4K sitzt am 56er Roadmachine-Rahmen eine Apidura Expedition Frame Tall (5 l) — Passform und Gewichte im Taschen-Konzept. Weil die Rahmentasche ins Dreieck reicht, müssen Trinkflaschen am Unterrohr seitwärts entnommen werden können; die Original-BMC-Bidonhalter sind dafür nicht geeignet. BMC bietet einen Downtube Storage Cover Roadmachine — Unterrohr-Deckel, an dem normale Bidonhalter montiert werden können. Daran habe ich höhenverschiebbare Blackburn-Halter befestigt: einen mit Entnahme nach links, einen nach rechts, sodass ich beide Flaschen nach der Montage in dieselbe Richtung ziehen kann.

Antrieb: SRAM Force AXS statt Di2

Den Aufbau mache ich mit SRAM Force AXS. Sonst fahre und schätze ich Shimano Di2 sehr — hier überwiegt für mich die Einfachheit der kleinen, abnehmbaren Akkus: Rad irgendwo abstellen, Akkus laden, oder Ersatzakku einstecken, ohne grosses Theater. Das gewinnt gegenüber dem, was mir Di2 in dieser Logistik bietet.

Passform: Selle Italia ID-Match

Über Selle Italia ID-Match habe ich ein Bike-Fitting — die Roadmachine konnte ich damit praktisch millimetergenau auf meine Werte legen. Das ist keine Spielerei: Auf solchen Strecken zahlt sich Geometrie plus saubere Daten aus.

Reifen: 32 mm Continental GP5000 TLR, Tubeless

Ich fahre 32 mm Continental GP5000 TLR im Tubeless-Setup und nutze relativ wenig Luftdruck für den besten Kompromiss aus Komfort und Speed. Auf langen Tagen ist das für mich entscheidend — mehr als ein paar Millimeter Reifenbreite auf dem Papier.

Beim NC4K ist der allergrösste Teil der Route Asphalt — teilweise in schlechter Qualität; genau dafür sind 32 mm und Tubeless für mich die richtige Linie. Trotzdem bin ich auf dieser Strecke mit dem Rennrad wohler als mit dem Gravel-Konzept; das neue Open UP darf noch etwas warten ;-)

Cockpit

Profile-Design-Triathlon-Auflieger

Um den Rücken zu entlasten, habe ich Profile Design-Triathlon-Auflieger montiert. Die Position habe ich auf dem Wahoo KICKR Bike — ebenfalls nach ID-Match-Daten eingestellt — exakt vorbereitet, weil ich noch nie mit Aufliegern gefahren bin. Ergebnis: Auf Langstrecke für mich unbezahlbar. Auf einer Testtour um den Lago Maggiore bin ich rund 165 km nonstop gefahren und habe bei Grundlagentempo rund eine Stunde weniger gebraucht als ein Jahr zuvor mit der Aero-Rennmaschine — gleiche Taktung, anderer Rahmen und andere Kontaktpunkte.

Die SRAM Wireless Blips für die Schaltung aus dem Aero-Griff sitzen bei mir an den Enden der Auflieger — verbaut in hochwertigen, 3D-gedruckten Gehäusen von LEAP Components aus den Niederlanden, die optisch und funktional perfekt zu Profile Design passen. Zum Strombedarf (u. a. CR2032) und Lade-Setup: Strom, Licht & Strombudget.

Nahansicht: bewusst mehr Höhe über den Risers — komfortabler Langstrecken-Tuck statt tiefstem Zeitfahr-Profil.

Bewusst kein One-Piece-Cockpit (Vorbau–Lenker-Einheit)

Integrierte Cockpits (Vorbau und Lenker aus einem Stück) schätze ich an meiner Aero-Rennmaschine enorm — dort sind sie genau richtig. Für die Roadmachine ums NC4K habe ich mich bewusst fürs klassische Duo Vorbau plus Lenker entschieden: Zu Beginn wusste ich noch nicht, wie ich vom Nordkap wieder nach Hause komme — ein herkömmlicher Lenker lässt sich fürs Verpacken und Transportieren deutlich einfacher handhaben als eine steife Einheit. Das flexiblere «alte» System passt zu offener Rückreise. Das Bike wird wahrscheinlich auch für weitere Langstrecken-Abenteuer eingesetzt — deshalb bleibe ich bei dieser Linie, auch wenn ich das One-Piece auf der Aero-Maschine weiterhin lieben werde.

Soviel zur Basis; Strom, Licht und Navi ergänzen das Bild im Setup-Artikel und im Headunit-Vergleich.

Vielen Dank für die tolle Unterstützung: bei der Roadmachine an Stefan und Sebastian von Radsport Thalmann in Schenkon, beim Open an Andy von Opencycles in Basel.