Unterwegs / On the road

Schichten statt Supersize-Jacke

Tom · 29.1.2026

Schichten statt Supersize-Jacke
Archiv: Bikepacking Island 2023, Bild 31 der Serie

Mehrtagestour: es zählt weniger das Wetter beim Start als schnelles Anpassen — Bergauf Schwitzen, Pass Wind, Abfahrt Kälte, Camp am Abend ruhiger. Eine dicke Einzeljacke wird im Rhythmus schnell zum Kompromiss, der nirgends passt.

Beim NorthCape4000-Pack sehe ich dieselbe Idee — nur mit konkretem Material statt reiner Theorie. Es geht nicht um eine vollständige Liste, sondern darum, dass die Rollen besetzt sind.

Drei Rollen, die klar getrennt sind

  • Baselayer: transportiert Feuchtigkeit von der Haut weg. Synthetik oder Merino, Schnitt eng genug, dass er nicht wandert. Für lange Tage lohnt sich ein Ersatz-Shirt in der Tasche oder im Sattelpack.
  • Isolationslayer: hält Wärme, ohne Wind abzudichten. Fleece oder leichte Kunstfaser-Steppung – je nach erwarteter Kälte und persönlicher Empfindung.
  • Schutzlayer: wind- und regendicht (oder zumindest windfest), eher über der Isolation, damit Feuchtigkeit aus dem Inneren entweichen kann. Viele setzen hier auf eine packbare Hardshell oder eine robuste Windjacke plus separaten Regenschutz.

Illustration aus dem NC4K-Setup: Baselayer direkt auf der Haut — hier werde ich höchstwahrscheinlich wieder auf die bewährten Assos-Teile setzen. Wenn es kälter wird, Castelli Nano Flex an Armen und Beinen plus leichte Albion-Isolation für Pausen und Zug; dazwischen, ohne das System umzubauen, der Albion Burner: unters Trikot, an den Trägern der Bib fixiert — sofort eine zusätzliche Isolationsschicht um den Core. Davor Rapha GTX PRO und eine kurze Löffler-GTX-Hose, bei Bedarf wasserdichte Socken und Überschuhe. So bleibt das System modular — nicht jedes Teil muss bei dir gleich heissen.

Wenn eine Schicht „zu viel“ ist, kommt sie in den Beutel; wenn etwas fehlt, merkt man es meist zu spät. Deshalb testen wir Systeme vor der grossen Tour lieber auf der Heimatrunde bei wechselhaftem Wetter.

Packvolumen vs. Flexibilität

Mehrere dünne Teile wirken auf den ersten Blick sperriger als eine dicke Jacke. In der Praxis lassen sich dünne Layer aber oft besser stapeln, trocknen schneller und können einzeln auch im Camp oder beim Essen getragen werden. Ein grosser Vorteil: nach dem Regenschauer trocknet oft nur die Aussenhülle – Baselayer und Isolation bleiben tragbar. Im Ultra-Modus zahlt sich das doppelt aus: jedes Stück muss seinen Platz verdienen.

Handschuhe, Mütze, Kragen

Kleine Accessoires haben einen grossen Effekt auf das subjektive Wohlgefühl. Dünne Unterziehhandschuhe, eine Mütze oder ein Buff, ein Kragen am Baselayer gegen Zugluft – das wiegt wenig und rettet Stimmung und Konzentration. Praktisch etwa kurze Castelli-Handschuhe am Lenker und wärmere Q36.5 in Reserve, dazu Helmkappen und ein Buff — statt einer «Ein-Handschuh-löst-alles»-Illusion.

Ein Set fürs NC4K — und welche Hose?

Ihr fragt euch vielleicht, wie viele Kleidersets ich ans NC4K mitnehme — die Antwort: eins. Keine zweite Bib, kein zweites Trikot. Wenn es geht, dusche ich abends in den Klamotten, wringe sie im Handtuch aus und ziehe sie am Morgen wieder an — ja, teils noch klamm. Mehr Platz ist nicht drin, und in den Taschen wird das Zeug unterwegs sowieso nicht verlässlich trocken — damit muss man klarkommen.

Welche Hose? Grundsätzlich die, die dir gut passt. Bibs mit aufgesetzten Mesh-Taschen an den Oberschenkeln finde ich auf Langstrecke top für «Futter», Handy, Kleinkram. Beim NC4K rechnest du — wie auf Island — mit häufig wechselndem Wetter. Die Regenhose muss schwups drüber, ohne die Standzeit am Rand spürbar in die Länge zu ziehen. Deshalb nur eine kurze Regenhose — die geht auch über die schon angezogenen Schuhe. Mit Regenhose taugen die Mesh-Taschen am Bein nichts mehr — also lasse ich sie weg und setze auf die bewährte Langstrecken-Bib Assos Mille GTO.

Island 2023 und NorthCape — ähnliches Wettergefühl, anderes Packmass

Island fuhren wir — Karin und ich — als Reise mit dem Gravel-Bike, nicht im Race-Modus gegen die Uhr. Wir hatten mehr Spielraum für Kleidung und für «kann nicht schaden» — das passte zur langsameren Logik (Bikepacking Island 2023 im Archiv). Wind, Regen und Kälte können dort ähnlich ungemütlich werden wie im hohen Norden. Fürs NC4K bleibt das Schichtenprinzip, das Volumen wird kleiner: weniger Puffer, schärfere Auswahl, nur was sich unterwegs wirklich lohnt. Wer nur eine grosse Tour plant, braucht den Vergleich nicht — mir hat der Vergleich beim Trimmen des NC4K-Sets geholfen.

Fazit

Schichten sind kein Dogma, aber ein Klischee mit Grund: Sie passen besser zu wechselndem Tempo und Wetter als eine monolithische Lösung. Wer sein Set einmal bewusst durchgespielt hat, entscheidet unterwegs schneller und fährt entspannter.