Heritage Dossier

Projekt 2000/2001 - Weltreise mit dem Bike

Ein Jahr auf dem Rad: Nordamerika, Australien, Südostasien. Unten der Original-Reisebericht aus dem Archiv — in Kapiteln mit aufklappbaren Abschnitten, damit der lange Text von damals lesbar bleibt. Darüber ein kurzer Überblick; unten die Archivfotos.

Kurzüberblick

Was als grosses Abenteuer geplant war, wurde vor allem ein Lernjahr: über Tempo, Risiko, Material und Menschen.

Die Berichte zeigen, wie sich der Blick unterwegs verändert hat — vom reinen Vorwärtskommen hin zur bewussten Wahrnehmung von Ort und Alltag.

Gerade die letzten Etappen in Malaysia und Singapur dokumentieren den Moment, in dem nicht Distanz, sondern Entscheidungskraft zählt.

  • Los Angeles nach Vancouver entlang der Westküste als Start in die Langdistanz-Realität.
  • Australien mit langen, einsamen Etappen zwischen Hitze, Wind und Versorgungsplanung.
  • Südostasien als kulturell dichtester Abschnitt mit täglichem Anpassungsmodus.
  • Finale in Singapur mit der bewussten Entscheidung, die Reise im richtigen Moment abzuschliessen.

Reisebericht (Originaltext)

Chronologisch wie damals online publiziert — mit wechselnder Reihenfolge der Regionen. Die Überschriften stammen aus den Original-Einträgen.

Die Kapiteltexte stammen aus den damaligen Online-Berichten (Blog bzw. Website) und wurden für dieses Archiv möglichst authentisch übernommen — einschliesslich typischer Formulierungen und Schreibweisen von damals.

1. MALAYSIA - SINGAPORE - ZÜRICH

Projekt 2000 - Reisebericht


MALAYSIA - SINGAPORE - ZÜRICH

10. April 2001, Singapore, 11.00 Uhr, Little India District


Dies wird wohl unser letzter "The Tharek" auf dieser Reise sein ... also geniessen wir dieses schäumende herrliche Teegetränk umso mehr, und es wird uns nun doch langsam aber sicher klar, dass dies das Ende unseres einjährigen Abenteuers ist.

Wir sitzen als einzige Touristen in einem einfachen Open-Air-Cafe, mitten in einem bunten Gemisch von Indern, Malayen und Chinesen, auf alten Plastikstühlen und fühlen uns hier rundum wohl. Schon interessant: Noch vor 3 Monaten war es uns mulmig zumute in diesen Lokalen und wir fühlten uns beobachtet und unwohl. Mittlerweile haben wir uns ganz gut daran gewöhnt, dass wir halt, vor allem neben den touristischen Trampelpfaden, als kleine Attraktion gelten.

Nun sind wir also - etwas früher als geplant - bereits in Singapore. Den letzten Bericht haben wir für euch in Krabi (Thailand) verfasst, während dem es draussen wie aus Kübeln regnete ... und dies sollte sich auch für die darauffolgende Zeit nicht ändern. Schwere Wolken und täglicher, teils stundenlanger Regen, begleiteten uns bis an die Grenze zu Malaysia. Aufgrund des andauernden Regenwetters entschieden wir uns in Satun, der südlichen Grenzstadt an der Westküste Thailands, mit der Fähre zur Insel Langkawi (Malaysia) überzusetzen. Somit fand der Landeswechsel auf dem Wasserweg statt.

Glücklicherweise waren wir 2 Stunden zu früh am Pier und erreichten deshalb in letzter Minute die einzige Fähre für diesen Tag. Der uns noch am Tag zuvor bestätigte Fahrplan, wurde kurzerhand annulliert und sämtliche weiteren Fahrten für diesen Tag ersatzlos gestrichen! Die Tücken Südostasiens ...

Eine überraschend moderne Fähre brachte uns im Schnelltempo zur Insel Langkawi, wo zu unserer Begrüssung ein Monsunsturm tobte.

Am nächsten Morgen blinzelte uns die Sonne durch die Ritzen der Bungalow-Wand entgegen. Topmotiviert brachen wir zu einer Inselumrundung auf. Die Insel wäre zum Radfahren ein Paradies - wenig Verkehr, wunderschöne hügelige Strecken, sehr gute Strassen ... aber in einer anderen Jahreszeit! Denn bereits nach 10 Kilometer hatten uns die Regenwolken wieder entdeckt und es schiffte für die nächsten 70 Kilometer.

Weitere zwei Tage auf Langkawi verbrachten wir mit "Wetterkunde" und Abwarten. Da keine Besserung eintrat und auch die CNN-Wettervorhersage 5 weitere Tage Regen versprach, verluden wir unsere Velos auf die nächste Fähre nach Penang Island.

Während der Fahrt auf offenem Meer wurde uns klar: Wir müssen eine Entscheidung treffen! Soweit das Auge reichte, war der Himmel dunkelgrau bis schwarz und das Meer tobte wild. (Zum Glück war dies ein geschlossenes Boot - sonst hätte Karin bestimmt wieder ihre Brille versenkt!)

Die Tage in der äusserst interessanten, multikulturellen Stadt Georgetown auf Penang, waren geprägt von Gefühlsschwankungen, Entscheidungen und weiteren Reiseplanungen. Nach einigem Hin- und Her und einer weiteren verregneten Inselrundfahrt waren wir uns einig: Wir gehen nach hause! (Wo es wahrscheinlich auch regnet ...!)

Wir kauften uns Tickets für den Flug von Penang nach Johor Barhu, der südlichsten Stadt auf der Malayischen Halbinsel.

Am Abend landete unsere Maschine in Johor Barhu. Um etwa 19.00 Uhr machten wir uns auf den Weg vom Flughafen in die City von Johor Barhu. Diese 30 Kilometer sollten für uns zum "Horror-Trip" werden: Die sechsspurige "Autobahn" auf welcher wir fahren mussten, war sehr stark befahren, es war stockdunkel und nach einer halben Stunde fing es natürlich auch wieder an zu regnen. Endlich dann in der Stadt angekommen, fanden wir erst nach einer längeren Irrfahrt gegen 23.00 Uhr ein Hotel. Diese Strecke ist für Radfahrer absolut NICHT zu empfehlen!

Tags darauf überquerten wir die lange Brücke, welche das Festland mit dem Inselstaat Singapore verbindet. Nach einer recht angenehmen Fahrt durch den geordneten Verkehr, erreichten wir unsere letzte Destination Singapore. Natürlich öffnete "Petrus" auch hier sämtliche Himmelsschleusen zu unserer Begrüssung. Noch drei Tage bis zu unserem Rückflug.

Und nun, ein paar Stunden vor dem Abflug, möchten wir kurz zurückblicken auf das vergangene Jahr. "Unser Jahr"! Ein unvergessliches Jahr für uns beide, mit wichtigen Erfahrungen für's Leben gespickt. Das intensive Reisen mit dem Fahrrad hat uns neue Werte aufgezeigt und neue Horizonte eröffnet. Wir haben viel gelernt, viel gegeben und noch viel mehr erhalten. Die Erinnerungen werden unser Antrieb für den "Alltag" sein und unsere Pläne für die Zukunft mitgestalten. Wir werden wohl viel an dieses Jahr zurückdenken - und wer weiss, vielleicht war dieses Abenteuer ja doch nicht einmalig ?

Wir möchten uns nun noch ganz herzlich bei allen bedanken, die uns auf unserer Website mitverfolgt, uns gute Wünsche gesandt und uns in Gedanken auf unserem Weg unterstützt haben. Wir freuen uns auf euch!

Einen ganz speziellen Dank widmen wir "Bü", unserem Freund und Webmaster. Er war dafür verantwortlich, dass ihr unsere Photos so toll präsentiert betrachten, und stets unsere aktüllen Berichte lesen konntet. Die Aufbereitung der Bilder ist eine Riesenarbeit und wir schätzen seine Arbeit sehr! Bü, ganz herzlichen Dank!

Ebenfalls ein herzlichen Dankeschön möchten wir allen Leuten aussprechen, welche uns bei den Vorbereitungen für unser Projekt unterstützt haben.

So, DIE ZEIT IST NUN REIF, von unserem Projekt Abschied zu nehmen! Wir wünschen allen Lesern alles Gute und danken nochmals für das entgegengebrachte Interesse.

See you soon!

Karin und Thomy

PS. Wir werden die Seite nach unserer Rückkehr nachbearbeiten und eine "Radreise - Tipseite" einrichten. Ebenfalls werden wir wohl wieder MTB-Touren anbieten - also, schaut doch hin und wieder mal rein bei www.bike-people.ch.


2. THAILAND - DER SÜDEN Bangkok - Phuket - Krabi

THAILAND - DER SÜDEN Bangkok - Phuket - Krabi


Als erstes möchten wir es nicht versäumen, uns an dieser Stelle bei unseren Freunden Birgit und Günther aus Südtirol, nochmals ganz herzlich zu bedanken. In Chiang Mai haben sie sich, als es uns ziemlich "dreckig" erging, rührend und sehr fürsorglich um uns gekümmert. Danke!

Um 17.25 Uhr fuhr er also los; der komfortable Nachtzug, der uns von Chiang Mai nach Bangkok zurückbrachte. Leicht durchgerüttelt, aber dank den bequemen Liegebetten trotzdem recht entspannt, erreichten wir Bangkok im Morgengrauen.

Riesengross war unsere Freude, als wir das breite, noch etwas verschlafene Grinsen unserer zwei Radlerfreunde Toni und Silla aus der Schweiz in der quirligen Menschenmenge des Bahnhofs ausmachten! Die zwei sind im Sommer 1999 mit ihren Rädern in der Schweiz zu einer Weltumrundung gestartet. (Wir haben sie damals während unserer "Testtour" in Italien kennengelernt.) Zusammen mit ihnen verbrachten wir einen lustigen, von Abenteuererzählungen geschwängerten Morgen im Bahnhofbuffet von Bangkok's Hauptbahnhof. Allzugerne hätten wir mehr Zeit mit ihnen verbracht, doch unser Anschlusszug, der uns aus dem Moloch Bangkok nach Petchaburi an der Ostküste Südthailands bringen würde, heizte am frühen Nachmittag bereits seine grossen Diesel-Motoren an.

Unser erster Streckenabschnitt im Süden führte uns der Ostküste entlang bis Chumpon. Bereits in den ersten Tagen auf dem Rad war für uns klar: Hier fanden wir das Thailand, welches wir uns zum Radfahren vorgestellt hatten! Fast ausschliesslich auf ruhigen Nebenstrassen, zogen wir vorbei an menschenleeren weissen Sandstränden, gesäumt von Palmenhainen und Kautschukplantagen, türkisfarbenen Meer, kleinen Fischerdörfern mit freundlichen Leuten und feinsten Seafoodrestaurants direkt am Strand. Das ist radfahren!

Diese sensationellen, teils unbefestigten Nebenstrassen haben wir nur dank dem äusserst hilfreichen, für Individualreisende optimal geeigneten Reiseführer vom Stefan Loose Verlag "Thailand - Der Süden" gefunden. In keiner der schlechten Strassenkarten für Thailand sind diese Nebenstrassen eingezeichnet. Dieser Reiseführer war auch der Grund dafür, dass wir meist als einzige Touristen in wunderschönen Beachresorts für die Einheimischen übernachtet haben, weit weg von den touristischen Trampelpfaden und mit einer Gastfreundschaft, die selbst einen König verblüfft hätte!

Diese erholsamen Orte waren dann wohl auch Mitgrund, dass Thomy sich endlich von seinem kränkeligen Dasein erholen konnte.

Ebenfalls sehr beeindruckt waren wir von den kaum besuchten und vom Tourismus weitgehend verschonten Nationalparks mit einzigartiger Flora und Fauna. Riesige farbenprächtige Schmetterlinge, seltene Affen- und Vogelarten, weisse Delphine, wildwachsende Orchideen ... all dies entdeckten wir auf Streifzügen durch diese noch fast unberührten Paradiese. Auch spiritülle Plätze wie Höhlentempel und heilige Banyantrees mit ihren farbigen Gebetsbändern, hinterliessen bei uns einen tiefen Eindruck.

Während der Fahrt nach Chumpon erlebten wir auch was es heisst, einen Tag im tropischen Regen zu radeln - der Himmel ist schwarz wie die Nacht, es stürmt, blitzt und donnert, es regnet wie aus Kübeln, und zwar für Stunden. Die Nebenstrassen weichen sich auf, werden zu schlammigen Pisten und das Radfahren wird zum dreckigen Abenteuer!

Ebenfalls auf dieser Strecke haben wir dann auch Charlie kennengelernt. Mitten in einem abgelegenen kleinen Dorf hat er seinen Beitrag auf eigene Faust für den Thailand-Tourismus geleistet: Eine von ihm selbst gemalte riesige Tafel zeigt die Umgebung mit dem Titel "Tourist IMformation". Stolz erklärte er uns die Tafel und liess uns dann in sein Gästebuch unterschreiben - der letzte Eintrag stammte vom Herbst 2000 ... wohl auch zwei Radfahrer!

Rechtzeitig zu Thomy's Geburtstag trafen wir kurz vor Chumpon auf Bea und Martin aus der Schweiz. Für die äusserst gelungene Geburtstagsüberraschung mit Kokosnüssen und Kerzen bedanken wir uns nochmals ganz herzlich!

Unser nächstes Ziel war die Insel Ko Tao. Wir fanden ein uns sicher erscheinendes Guesthouse, wo wir all unser überflüssiges Gepäck inklusive Velos zurücklassen konnten. Nun hiess es: Abtauchen auf Ko Tao! Die kleinste Nachbarinsel von Ko Samui erwies sich uns als Juwel! Nach einer vierstündigen Fahrt mit dem "Express-Boot" welches sich als lahme Ente entpuppte, einer halbstündigen abenteuerlichen Fahrt über eine wirklich harte Off-Road-Piste auf der Ladefläche eines völlig überfüllten Pickups, erreichten wir sie: Die Bucht der Träume!

Mit "Extreme-Faulenzing", "Extreme-Snorkelling", "Extreme-Hängematte-Schaukeling" und "Extreme-Fein-Essing" verbrachten wir einige unvergessliche Tage auf dieser bildhübschen Insel. (Während genau diesen Tagen und Nächten ging in Luzern die Fasnacht über die Bühne ... wie ihr seht, musste Thomy sich einiges einfallen lassen, um Karin bei Laune zu halten, uff!)

Von der Insel kehrten wir gespannt auf das Festland zurück mit dem Gedanken, dass wohl all unser Zeug verschwunden und das Guesthouse geschlossen und verkauft ist! Jedoch: Alles palletti!

Am nächsten Morgen fuhren wir weiter in Richtung Phuket. Wir durchquerten das hügelige und üppig mit Dschungel bewachsene Landesinnere, um an die Westküste zu gelangen. In dieser Gegend hinterliessen die unglaublich laut dröhnenden, uns überholenden Lastwagen ausnahmsweise einen äusserst angenehmen Duft, denn sie waren voll beladen mit reifen Ananas, welche hier zu tausenden wachsen.

Ranong. Westküste. Da die Grenze zu Myanmar hier nur einen Katzensprung entfernt liegt, charterten wir ein Fischerboot inklusive Steuermann, schipperten für eine Weile ins fremde Land, kehrten zurück nach Thailand und hatten somit erneut 30 Tage Aufenthaltsbewilligung für Thailand im Reisepass.

Wie auch in anderen Grenzgebieten zu Myanmar, kreuzen auf Ranong's Strassen viele brandneue, schwarze Mercedes und BMW's ... Opi(um) lässt grüssen!

Es zog uns weiter Richtung südwärts. Erstmals entdeckten wir Moscheen und zusehends lösen sie die buddhistischen Tempel ab. Mit den Moscheen ändert auch das Erscheinungsbild der Menschen: Verhüllte Frauen und Mädchen und dunklere Hautfarbe prägen in den kleinen Orten das Bild, und ab und zu vernehmen wir das Gebet des Müzins.

Weiter südlich, im empfehlenswerten Gebiet um Kao Lak, wo man trotz Pauschaltourismus noch traumhafte Plätze finden kann, verbrachten wir einige Tage bevor wir nach Phuket gelangten.

Nach einer Inselrundfahrt auf Phuket mit dem gemieteten Motorrad beschlossen wir einstimmig, diese vom Massentourismus total eingenommene, überlaufene und überteuerte Ferieninsel sofort wieder zu verlassen.

So, es wird nun eine Anmerkung zum Wetter fällig. Bereits seit einigen Tagen standen wir im Einfluss einer Schlechtwetter-Periode, welches sich darin äusserte, dass es eigentlich jeden Nachmittag schiffte! Gut, es gab auch Ausnahmen: Am Tag, an dem wir Phuket verliessen, regnete es bereits am Morgen. Dies blieb denn auch so für die kommenden Tagen. Da sogar Überschwemmungen erwartet wurden, kam es soweit, dass wir in einer Stadt steckenblieben, in der es nichts zu sehen oder zu tun gab. Super!

Eines Tages wurde uns das Warten jedoch zu bunt und wir zogen trotz des Regens weiter nach Krabi. Dieser Tag sollte uns einiges abverlangen: Nebst Regen und einer langen Tagesetappe mit vielen Hügeln, hatten wir auch mit Thomy's Vorderreifen zu kämpfen, der sich plötzlich mit einem 5 cm langen Riss schmückte! Mit Kabelbindern provisorisch zusammengebastelt, konnten wir die Tagesetappe doch noch zu Ende fahren. Nun war es also soweit: Nach 11'000 km mit 5 bar Druck war der zweite Reifen reif für den Kompost-Haufen. Die restlichen Kilometer werden wir also mit einem 8 Fr.-teuren Reifen "made in Thailand" zurücklegen; Schluck!

Seit einigen Tagen sind wir nun an einem schönen Strand in der Nähe von Krabi und erholen uns von den letzten recht anspruchsvollen Fahrtagen. Die Gegend um Krabi ist von atemberaubender Schönheit und ein Highlight unseres bisherigen Thailand-Besuches! Die skurrilen Kalksteinformationen, die auf dem Lande wie auch aus dem Wasser als hohe grünbewachsene Türme in den Himmel ragen, stellen ein einzigartiges Landschaftsbild dar! Mit Longtailbooten und Kanus lässt sich die Umgebung bestens erkunden. Es gibt unzählige traumhafte Strände zu entdecken, Aussichtspunkte zu erkraxeln und fantastische Höhlen zu bewundern! Ein paradiesischer Flecken auf Erden.

Tja, der Weg zur Grenze Malaysias ist nun nicht mehr weit und schon bald heisst es für uns "Goodbye Thailand".

Trotz aller Schönheiten des Südens von Thailand macht sich bei uns langsam eine Art "Reisemüdigkeit" bemerkbar. Mit Eindrücken, Erlebnissen und Gefühlen von knapp einem Jahr intensiven Reisens fast überfüllt, fängt uns dies und jenes allmählich an zu stören: z.B. zu jeder Tages- und Nachtzeit verschwitzt und klebrig zu sein oder uns jeden Tag mit giftigem Insektenschutzmittel einzuschmieren und trotzdem verstochen zu werden - dies zupft so an diesem und jenem Nerv! Ausserdem sind unsere Köpfe voller Pläne und Ideen für unseren Neustart in der Schweiz, die darauf brennen, verwirklicht zu werden! Diese Tatsachen jedoch erleichtern uns den Gedanken an unsere Rückkehr recht ordentlich ... und so soll es doch auch sein!

Wir werden nun die restliche uns noch verbleibende Zeit zum grössten Teil in Malaysia geniessen und uns von dort noch einmal melden.

Danke für euer Interesse und bis dann

Liebe Grüsse

Karin und Thomy


3. 6.2.2001 BANGKOK - CHIANG MAI ZENTRAL- / NORDTHAILAND

6.2.2001 BANGKOK - CHIANG MAI ZENTRAL- / NORDTHAILAND


(Nachtrag zum Bericht vom 6.2.2001)

Nachdem wir ungefähr eine Woche versucht hatten, uns an Bangkok zu gewöhnen, verliessen wir am 10. Januar unser Guesthouse nach einem ruhigen Kraftfrühstück. Mit Sack und Pack versuchten wir uns einen sicheren Weg durch die tausenden von Bussen, Tuktuks, Autos und Motorrädern zu bahnen. Der Weg zum Hauptbahnhof betrug bloss 5 Km, doch waren wir recht geschafft, als wir endlich dort ankamen. Durchgeschwitzt und leicht gestresst nahmen wir die Tücher vom Gesicht, welche wir als Atemschutz vor Mund und Nase gebunden hatten. Der Rest war dann easy: Ticket kaufen, Velotransport bezahlen und alles einladen. Die Wagen mit Sitzbänken entlang der Wagonseiten eignen sich ideal für Reisen mit Velos! So hatten wir alles gut unter Kontrolle, Gepäck und Velos im Blickfeld und warteten einigermassen relaxt auf die Abfahrt des Zuges. Der Zug verliess pünktlich die Station und los ging's! Mit jeder Minute entfernten wir uns weiter vom Ungetüm Bangkok und vom Smog. Vorbei an hübschen Vororten, vorbei aber auch an beelendenen Slums in Richtung Bananenplantagen, kleinen Dörfern und frischer Luft. Im Zug hielten Händler lauthals ihre Ware feil, viele Ventilatoren sorgten für einigermassen angenehme Luft im Wagen, Einheimische vermischten sich mit Touristen, vis a vis schliefen zwei Soldaten mit verschwitzten Gesichtern in ihren engen Uniformen, ein kleiner Thai-Junge schaute interessiert mit seinem Grossvater aus dem Fenster und bewunderte die vorbeiziehende Landschaft und neben uns war eine Mönchin mit kahlrasiertem Kopf und Augenbrauen in Meditation versunken. Ab und zu klingelte das Handy zweier jungen, moderngekleideten Thai-Männern und dies liess uns bewusst werden, dass wir immer noch im Jahre 2001 waren ...

Ayuthaya. Hektisch verlassen wir den Zug mit unseren 27 Sachen während der Zugsvorstand schon ganz nervös mit seinen Fahnen winkte. Wir bepackten unsere beiden Esel zum 258sten mal und machten uns auf Herbergssuche. Später dann, wollten wir auf der hölzernen Veranda unseres Guesthouses nur einen kühlen Drink zu uns nehmen, doch plötzlich sassen wir in einem Langboot, gesteuert von einer älteren rundlichen Thai-Frau, und ab ging's zu einer Sightseeing-Tour auf dem Fluss, der die ganze Stadt Ayuthaya umgibt. Wow! Drei Stunden voller neuer Eindrücke! Barken, Langboote, Fischerboote, spielende Kinder im schmutzigen Wasser, Luxushotels, schöne Einfamilienhäuser neben Slums, Wats (buddhistische Tempel), badende Mönche in ihrer orangefarbenen Bekleidung, grünüberwucherte Ufer, Seerosen, springende Fische, ab und zu heftiger Gestank ... wir konnten 3 Wats besuchen und erhielten einen einmaligen Eindruck Ayuthayas, Thailand's alter Hauptstadt, welche von den Burmesen Ende 17. Jahrhunderts zum zweiten mal total zerstört wurde. Ruinen, unendliche Ruinen, zeugen von vergangenem Reichtum und Schönheit dieser Stadt. Wir bewundern den Sonnenuntergang bei einem noch recht gut erhaltenen Wat: Ein atemberaubendes Schauspiel bietet sich uns dort, als die Nacht den Tag ablöst. Wir sind verzaubert und überwältigt! Die Fahrt zurück zum Guesthouse findet mit einer winzigen Beleuchtung am Boot und einem riesigen orangglühenden Vollmond statt! Traum oder Wirklichkeit?

Am nächsten Tag radelten wir gemütlich durch die Ruinen der alten Hauptstadt. Und obwohl wir in den letzten Tagen kaum radgefahren sind, waren wir bereits nach dem Mittagessen völlig platt. Zuviele Eindrücke prasselten hier auf uns nieder - too much input for our memory! So verbrachten wir den Rest des Tages auf unserer Veranda und "verdauten" das Erlebte bei zwei grossen Singha-Beers ...

Tags darauf verliessen wir vollbepackt die alte Königsstadt. Nachdem wir den Verkehr Ayuthayas hinter uns gelassen hatten, sammelten wir unsere ersten echten Fahrraderfahrungen auf den Landstrassen Thailands. Entgegen allen vorausgegangenen Warnungen anderer Travellers (Nicht-Velofahrer ...), empfanden wir den Strassenverkehr als durchaus vernünftig und "easy to handle". Die Fahrer hupen freudlich, verlangsamen ihre Fahrt, lachen uns zu, winken und rufen: "Halllooo! Vely good ...! Where you are flom?" Die Kinder winken uns zu, staunen und quietschen vor Entzücken. (Natürlich auch die Frauen, wenn sie Thomy sehen :-) Thailand!

Die Landschaft bietet uns hier im Zentralland noch wenig, ausser ein paar sattgrünen Reisfeldern, Bananenplantagen und kleinen, sehr einfachen Hüttendörfern, wo die Zeit stehengeblieben ist.

Das ländliche, noch unberührte Thailand eignet sich auf der einen Seite hervorragend für Radreisende. Dafür tauchen plötzlich neue Probleme auf: Sprachprobleme! Obwohl bewaffnet mit Thai-Wörterbuch, Menü-Übersetzungen sowie Menü-Decoder, standen wir so ziemlich auf dem Schlauch als es jeweils hiess: Essen bestellen. Kaum jemand spricht englisch und sehr viele ländliche Thais sind "Analphabeten". (Wie schreibt man das eigentlich ...?) Auch wenn unsere verkrampfte Bestellung auf Thai stets mit einem freundlichen Lächeln quittiert wurde, kam es erstens anders und zweitens als wir uns wünschten! Da uns aber der Velohunger plagte, assen wir alles was uns präsentiert wurde, auch wenn uns das Unwissen der Zusammensetzung unserer Mahlzeit manchmal eine Gänsehaut verpasste! Allerdings: Das Essen war stets sehr gut und wir lernten so die ländliche Thaiküche wohl viel besser kennen als so manch anderer Tourist!

Die Provinzstädte auf unserem Weg sind chaotisch und nichts vom Reiseprospekt-Thailand spiegelt sich hier wieder. Schlechte Luft, abgeschossenes Image, wanzige Hotels, die sich abends ganz offiziell in Bordells verwandeln. Die Beleuchtung ändert die Farbe und Intensität und die Geräuschkulisse bis in die frühen Morgenstunden wiederspiegelt geschäftiges "Treiben" ... und einmal mehr: Ohropax wirkt Wunder! Wir treffen sie in jeder Provinzstadt, wo kein Tourismus vorhanden ist, wir jedoch übernachten müssen: Die beiden führenden Hotelketten "Zur goldenen Kakerlake" und "Zum fröhlichen Puff"!

Die unzähligen neuen Eindrücke, die unentspannten Nächte und die körperliche Anstrengung des Radelns bei feuchtheissen Temperaturen liessen uns etwas ermatten und uns auch ab und zu wieder in den Zug steigen.

Auf unserem weiteren Weg nordwärts besuchten wir die einstigen Königsstädt Sukothai und Si Satchanalai, von deren vergangenem Glanz heute nur noch riesige Ruinenfelder zeugen. Weitere Highlights waren für uns die unzähligen prachtvollen Tempel mit den dazugehörenden Buddha-Statün, die Ausführung der traditionellen Handwerkskünste wie z.B. die alten Frauen an den nochälteren Webstühlen, welche die für Nordthailand typischen bunten Stoffen weben, die Reisbauern bei ihrer schweisstreibenden Arbeit, die fröhlichen bildhübschen Kinder, der eindrückliche Besuch eines Trainings-Camps für Arbeitselephanten sowie des Elephant-Hospital Thailands. Ausserdem wurde die Landschaft zusehends üppiger und bergiger je weiter nordwärts, in Richtung Chiang Mai, wir gelangten.

Nach ungefähr 3 für uns intensiven Wochen, erreichten wir Chiang Mai, die nördliche Metropole Thailands und sogleich unser Ziel. Der abrupte Übergang vom ruhigen Landleben zum vermarkteten Touristenzentrum Chiang Mai holte uns ins bekannte Reise-Thailand zurück. Hier herrscht der unerbittliche Kampf um den Trekking-Touristen! Hunderte von Trekking-Anbietern konkurrenzieren einander mit "Noch-günstigeren-Angeboten". Bambusfloss-Rafting, Elefanten-Ritt, Jeep-Adventure durch Junglegebiete sowie das "Begaffen" der Einwohner verschiedener Bergdörfer, der sogenannten "Hilltribes", stehen bei den meisten Touristen hoch im Kurs.

Unsere Philosophie des "sanften Reisens" hielt uns klar von der Teilnahme eines solchen Trekkings ab, ausserdem bescherte uns ein Schluck faules Wasser ein privates Abenteuer der ganz besonderen Art:

Kaum hier angekommen, ging's los! Durchfall, Kopfschmerzen, Bauchkrämpfe, hohes Fieber und Schüttelfrost bei Thomy, anschliessend notfallmässige Spitaleinlieferung, 3 Tage Einzelzimmer-Aufenthalt mit hübschen Krankenschwestern, Antibiotika für beide, Rückfall bei Thomy, zurück ins Spital (wohl wegen den Schwestern ?!), erneute Antibiotika-Kur ... alles in allem dauerte dieses Abenteuer satte 10 Tage!

Unterdessen geht es uns aber wieder recht gut und wir waren auch nicht ganz untätig: Wir mieteten uns ein bequemes Auto und fuhren kurzerhand mehr als 500 km über Thailands Landstrassen. Eine Erfahrung der speziellen Art! Freestyle-Driving - Regeln existieren zwar, aber nur in irgendwelchen Theoriebüchern! Grund dieses Trips war die Verlängerung unseres Thailand-Visums. Dazu mussten wir irgendwo aus dem Lande ausreisen und wiedereinreisen. Wir wählten uns den Grenzübergang zu Myanmar / Burma am nördlichsten Punkt Thailands aus. Die Burmesen auf der anderen Seite der Brücke waren dann auch ganz nett und nach einer halben Stunde Burma-Aufenthalt verpasste uns die Thai-Immigration den neuen ersehnten Stempel. So einfach geht das ...!

Wir dürfen also noch bleiben und kommen deshalb noch nicht gleich nach hause! Morgen fahren wir mit dem Nachtzug zurück nach Bangkok, um von dort unsere letzte Etappe durch den Süden Thailands, Malaysia und schlussendlich nach Singapore in Angriff zu nehmen.

Im Süden erwarten uns weisse Strände, Palmen, romantische Bungalows ... vielleicht melden wir uns mal wieder.

Bis dann

Karin und Thomy

4. 7. 2. 2001 Chiang Mai Nachtrag:

7. 2. 2001 Chiang Mai Nachtrag:

Ist uns doch tatsächlich etwas wichtiges durch "die Latten" gegangen.

Für alle Technikinteressierten: Wir haben zum ersten Mal während unserer Reise einen Reifen ersetzen müssen. Man glaubt es kaum! Unsere Schwalbe Marathon-Reifen XR sind nahezu unverwüstlich. Sie haben alles gemeistert. Glühend heisser Asphalt,Sandpisten, Waschbrettpisten, Single-Trails mit grossen Steinen und Wurzeln und, und, und.... für zehntausend Kilometer und mit bis zu 40 Kg Gepäck! Nun hat sich doch der erste Hinterreifen verabschiedet!

Aber: Nicht weil er verbraucht war! Nein, eine Glasscherbe richtete ihn so übel her, dass wir uns entschieden, ihn besser zu ersetzen. Gut, er war etwas spröde von der ewigen Belastung, aber der Reifen wäre sonst noch absolut brauchbar gewesen! Natürlich hatten wir in diesem Moment auch einen "Platten". Ansonsten waren da überhaupt keine technischen Schwierigkeiten seit ewiger Zeit! Touchwood! Statistik: Platte Reifen insgesamt 6 ersetzte Speichen 2 ersetzte Reifen 1 ers. Bremsbeläge 4 ers. Ketten 2 gebrochene Herzen 0 (immer noch !!) Durchfälle diverse ! usw.... O.k. das wär' nun endgültig für dieses Mal!

4.1.2001 MELBOURNE - BANGKOK

( Nur ein kurzer Flug - aber für uns ein Sprung in eine andere Welt!)


Frühmorgens, 4. Januar 2001. Nach einer fantastischen Woche mit unseren Freunden in den Australischen Alpen, machten wir uns auf den Weg zum Melbourne International Airport. In unseren Gedanken noch immer beim Sonnenuntergang auf einer Bergspitze, auf einem schnellen Singletrail oder in der excellenten Bright-Ice Creamery mit 38 Flavours ..., verging die Fahrt über den Highway im Van unserer Freunde sehr schnell und es hiess Abschied nehmen von Australien - nach fünf unvergesslichen Monaten.

Auf den Rat verschiedener anderer Radreisenden hin, entschlossen wir uns, diesmal unsere beiden Bikes unverpackt für den Flug nach Bangkok aufzugeben. Motiviert und guten Mutes am Qantas-Schalter angekommen, wollte die ziemlich blonde und amateurmodelmässig geschminkte Dame natürlich nichts von "without Box" wissen. Nach hartnäckigen Überzeugungsversuchen unsererseits willigte sie schliesslich grantig und mit einigen Schweisstropfen auf ihrer gepuderten Stirn ein. Allerdings mussten wir unterschreiben, dass Qantas Airlines im Schadenfalle jegliche Haftung ablehnt. Somit fiel die zeitaufwendige und mühselige Zerlegerei und Verpackerei der Velos diesmal weg.

Nach einem reiblungslosen neunstündigen Flug erreichten wir Thailands Hauptstadt Bangkok. Einige Formulare waren noch auszufüllen bevor wir mit einem Lächeln den Zoll und die Einreisebehörden passieren konnten. Freude herrschte, als wir neben dem Gepäckrollband unsere beiden Lastesel erblickten - unversehrt!

Da es bereits Mitternacht war, versuchten wir, möglichst schnell einen Transport in ein Airporthotel zu organisieren. Und: Da waren sie bereits wieder - die Herausforderungen für Reisende, welche zwei Velos im Handgepäck rumtragen! Wiederum mussten wir all unsere Überzeugungskraft einsetzen, bis letztendlich unsere zwei Velos auf den Ledersitzen eines edlen Hotelbusses transportiert wurden ...

2.00 Uhr morgens, Good Night in Bangkok.

Um am nächsten Morgen vom Airporthotel in das von unseren Holländischen Freunden empfohlene Quartier Bangkoks zu gelangen, fehlten uns zwei wichtige Dinge: Eine gute Strassenkarte und der Mut! Grund: Der Verkehr auf Bangkoks Strassen ist für Asien-Neulinge wie wir es sind ein bisschen "too much" für den ersten Tag. Blaurauchende Tuk-Tuk's und tausende von halsbrecherisch fahrenden Motorrädern zwängen sich durch die von Bussen und Autos verstopften Strassen. Auch die durch den Smog stark vernebelte Luft lädt nicht gerade zu einer Spritztour ein. Nicht umsonst tragen die meisten Tuk-Tuk -und Motorradfahrer einen Atemfilter. Ihr könnt euch vorstellen, was es gebraucht hat, bis der Fahrer des Hotelbusses soweit war, uns mit seinem noblen Bus in die Stadt zu bringen ...

Bereits während dieser hektischen Fahrt durch den Verkehrsdschungel wurde uns klar, dass wir uns ab sofort in einer für uns fremdartigen und neuen Welt befanden. An einer lebhaften, mit ess- und kleiderständengesäumten Strasse, setzte uns der Bussfahrer "auf freien Fuss". Er lächelte uns ein letztes mal freundlich (mitleidig?) zu und verschwand in den Fluten des Verkehrs.

Leider war das Guesthouse, vor welchem er uns abgesetzt hat, bereits ausgebucht. Sehr zu unserem Bedauern ... Dies bedeutete für uns: Velos fahrtauglich machen, Reifen pumpen, Packtaschen anhängen und mit der Suche nach einem "Hüüsli" für die Nacht beginnen (und dies alles bei fast 40 feuchtheissen Grad)!

Bei den ersten paar besichtigten Zimmern kam Thomy jeweils leicht blass, kopfschüttelnd und mit verstörtem Blick zurück. Eine weitere für uns neue Erfahrung: "No thank you" muss bei der Unterkunftssuche wohl ab sofort in unseren Wortschatz eingebaut werden. In einer kleinen Nebengasse, wo Thai-Familien leben, kochen, lachen und wo maximal ein Motorrad oder ein beladenes Reisevelo durchpasst, fanden wir schliesslich ein kleines Guesthouse, wo wir uns auf Anhieb wohlfühlten. Auf dem schmalen Weg dorthin, wurden unsere Riechnerven fremdartigsten Gerüchen ausgesetzt. Eine alte weisshaarige Thailänderin, welche wir Grandma nennen dürfen, empfing uns freundlich in unserer Unterkunft. Sie entlarvte uns sofort als blutige Anfänger im Land des Lächelns und gab uns viele nützliche Tips zu guten und schlechten Sitten der touristischen Gegenden. Dankbar nahmen wir ihre Hilfe an, schlossen unsere Velos im sicheren Innenhof des Guesthouses ab und machten uns auf Entdeckungstour der wohl unerschöpflichen Eindrücke Bangkoks.

Nun sitzen wir bei Tee auf der hölzernen Veranda eines gemütlichen Restaurants und warten auf das bestellte feine Nudelgericht. Unterdessen fühlen wir uns schon richtig wohl, haben unbeschreiblich schöne Tempel bewundert, farbige Märkte besucht, diverse Spezialitäten der Essstände probiert (z.B. ein wunderbarduftendes Süssgebäck mit Schweineborstenfüllung!) und unsere unpassenden Velotrikots für ca. Fr. 1.50 auf dem Markt verkauft!

Morgen werden wir den Weg zum Hauptbahnhof suchen und die riesige Stadt mit dem Zug in Richtung Norden verlassen. Industrie, Kommerz, Chaos und Ungleichheit haben wir in Bangkok in höchst konzentrierter Form erlebt - nun freuen wir uns auf den ländlichen Teil "Ur-Thailands", den Norden. Wir halten euch auf dem laufenden ...

Sawat-dii Karin und Thomy


5. 12.12.2000 Mount Gambier · KALBARRI - PERTH

12.12.2000 Mount Gambier

KALBARRI - PERTH


Hier wieder mal ein Lebenszeichen vom andern Ende der Welt, wo es immer mehr Sommer wird ...! Seit dem letzten Zwischenbericht ist wieder einiges geschehen und wir haben viel erlebt - aber am besten lest ihr hier selber nach, dann habt ihr was zu tun über die Festtage ....:

Am 19. Oktober um 5.00 Uhr hiess es für uns einmal Tagwache in Kalbarri. Nach einigen gemütlichen und velofreien Tagen in dieser schönen Umgebung voll mit bunten Wildflowers und einem interessanten Nationalpark, machten wir uns wieder auf unseren Weg nach Perth, unserem nächsten grossen Ziel. Vorbei an pinkfarbenen Salzseen und kleinen verschlafenen Fischerdörfchen bewegen wir uns fast alleine auf den zum Teil brandneuen Strassen. Da der Tourismus an der Australischen Westküste erst langsam aber sicher angekurbelt wird, entdecken wir viele neue Verbindungsstrassen, welche gar nicht oder nur als Forststrassen auf den Strassenkarten eingezeichnet sind, und welche uns das Leben sehr erleichtern.

Nach einigen Fahrtagen durch den Bush, erreichen wir dann Geraldton, das Tor "zurück zur Zivilisation". Nach ungefähr 3 Monaten Fahrt durch das Outback, leuchtet uns nun das grosse gelbe geschwungene "Mc Donalds-M" von weitem entgegen: Ein unmissverständliches Zeichen, zurück in der Zivilisation zu sein! Das als Stadt recht unspektakuläre Geraldton, ist die Hochburg der millionenschweren Lobster-Industrie Australiens. Jene Lobster, welche wir damals auf dem Pearl-Lugger "Willie" jeweils selber zum Wasser rausfischten und am Abend auf dem BBQ wendeten ... Was uns in Geraldton ausserordentlich gefreut hat: Wir trafen unsere holländischen Radlerfreunde Johan & Marijke wieder, welche wir seit Broome (Anhänger-Verkauf) nicht mehr gesehen hatten. Auch ihre Reise in den Süden war glücklich und ohne Zwischenfälle verlaufen. Natürlich mussten wir dieses Wiedersehen mit "Chateau Karton" und lokalem Australischem Bier begiessen! Geraldton ist ausserdem weltbekannt als Windsurf-Mekka. Zahlreiche Profis trainieren dort täglich. Natürlich stimmte uns Radler dies etwas nachdenklich ... und unsere Sorgen sollten nicht umsonst gewesen sein, wie sich später herausstellte: Auf unserer Weiterfahrt hatten wir mit dem stärksten Gegenwind seit dem "Schweizer Weihnachtssturm Lothar" zu kämpfen! Es war wirklich zum ... ein Auto kaufen, Bus besteigen, Flugzeug chartern oder was auch immer! Doch wir hielten durch! Obwohl wir teilweise nur noch gerade 8 Kilometer pro Stunde zurücklegen konnten - in den kleinsten Gängen, versteht sich ....! Und um das stetige ohrenbetäubende Rauschen des Gegenwindes zu bekämpfen, blieb uns nichts anderes übrig, als unsere knallorangen Gehörschutzpfropfen einzusetzen! Und dieser Trick hat funktioniert - alles läuft via Nerven!

Über die wiederum neuen und perfekten Strassenabschnitte erreichten wir Cervantes und somit die Pinnacles Desert. Diese einzigartige Wüstenlandschaft mit ihren bizarren Sandsteintürmen, welche über Jahrtausende durch Wind, Wasser und Wetter geformt wurden, ist schlicht atemberaubend! Am frühen nächsten Morgen machten wir uns im Dunkeln auf den Weg, um dieses Weltwunder bei Sonnenaufgang bestaunen zu können. Und wie sich das Aufstehen gelohnt hat! Ein einmaliges Erlebnis und für uns ein spezielles Vergnügen, mit unseren treuen Aarios-Velo's im Schattenspiel des frühen Morgenlichts durch diese sandige Wüstenlandschaft radlen zu können!

Von dort war es dann nur noch ein "Katzensprung" nach Perth. Unterwegs trafen wir noch auf ca. 30 Millionen Fliegen, welche natürlich alle auf unseren Gesichtern und unseren Rücken absitzen und mitfahren wollten. Hunderte von kleinen schwarzen Punkten (Fliegendung!) auf unseren weissen Helmen bestätigten uns die Anwesenheit der nervigen Schwarzfahrer!

Ein leichter Kulturschock widerfuhr uns dann, als wir durch das liebliche, idyllische Swan Valley, ein Vorort von Perth, fuhren mit all den teuren Deutschen Autos, sattgrünen kurzgeschnittenen Rasen mit den dazugehörenden Villen. Von unserem etwas ausserhalb liegenden Campingplatz, fuhren wir noch am selben Tag mit dem Zug in die pulsierende Metropole Perth. Die Türen des Zuges öffneten sich, und wir fanden uns in einer anderen Welt wieder: Teuergekleidete gutfrisierte Menschen mit Aktenkoffer, Handtäschchen und Handy's prägten das Bild. Doch gänzlich den Rest gab uns der langvermisste, sehrlaute Sound aus den Lautsprechern eines Mega-Music-Stores! Mit weitaufgerissenen Augen und wohl etwas bleich standen wir da, und all die geschäftig vorbeiziehenden Leute dachten wohl: Landeier! (oder auf English: Countryeggs!) Wir flüchteten uns in das nächste Cafe, um all den Eindrücken bei einem entspannenden Cappuccino Herr und Meister zu werden. Am selben Abend noch feierten wir unsere Ankunft in Perth gehörig!

Am folgenden Tag erreichten dann auch die beiden Holländer Perth und in den nächsten Tagen erkundeten wir zusammen diese schöne und interessante Stadt. Leider hatte die erste Grossstadt seit Vancouver auch einen negativen Touch für uns, da uns verschiedenes Material von den parkierten Rädern geklaut wurde (z.B. Thomy's "über-Jahre-heissgeliebtes-Multi-Tool"!) ... tja, welcome back in reality!

Dann verlegten wir unser Nachtlager in das angrenzende Fremantle, mit seinem wichtigen Industriehafen. Bekannt für den "Cappuccino-Strip" und die historischen Gebäude, genossen wir einige Tage diesen freundlichen Ort, bevor wir dann den Rest unserer Strecke an der Westküste in Angriff nahmen.

Es ergibt wenig Sinn, zuviele Details über den südwestlichen Zipfel von Australien zu erwähnen ... zu lange würde dies hier an dieser Stelle dauern, denn er bietet unglaublich viel! Menschenleere türkisfarbene Buchten, weisse Sandstrände, "the perfect surf", riesige Wälder, zahlreiche Weingüter, einzigartige Tropfsteinhöhlen und eine unbeschreibliche Tierwelt - um nur einige Highlight's dieser Region zu erwähnen.

Ein kleines Beispiel: In einer kleinen Bucht, kaum bekannt und im Reiseführer nicht mal erwähnt, kommen grosse Stachelrochen an den Strand, um die lustigen imwasserstehenden Menschen zu besuchen. Sie schauen dich an und stüpfen sogar mit ihrem Kopf an dein Bein! Einmalig!

Der South-West-Corner also, ist für jedermann eine Reise wert - vollgepackt mit Sehenswertem und Natur Pur. Und dies alles auf kleinem Raum - für Australien nicht selbstverständlich!

Am 20.11. erreichten wir dann mit unseren vollbepackten Velos den südwestlichsten Punkt Australiens, das Cape Leeuwin. Wir lehnen unsere beiden Packesel an den hundertjährigen Leuchtturm und wissen: Wir haben es geschafft! Die Westküste Australiens beradelt! Diese Stelle, wo sich der Indische Ozean und der Südliche Ozean vereinigen, wird uns wohl für immer in Erinnerung bleiben!

Einen grossen Teil der Strecke zurück nach Perth, führte uns über Dirt-Tracks, Sandpisten, Wanderwege und Forststrassen. Mit all unserem Gepäck an den Velos war dies ein ausserordentliches Abenteuer für uns ... haben wir doch den Schweizer Mountainbike-Sommer "verpasst"! Und zum ersten mal konnten wir sogar unser GPS einsetzen, da wir im unendlichen Märchenwald "ekstrem" die Orientierung verloren haben. Nach 2 Stunden Schieben durch Sandlöcher, Dornen und das Unterholz, fahren über Steine und Absätze und nach zärtlichem Fluchen von Karin, fanden wir dann doch zurück auf eine beschilderte Forststrasse. Der restliche Weg zurück nach Perth verlief ohne weitere grössere Zwischenfälle, ausser dass wir fast bei lebendigem Leibe von Sandflies gefressen worden sind (je etwa 100 Bisse auf Rücken und Kopfhaut!), Karin beim bislen im Bush auf eine Schlange getreten ist, und wir während der Fahrt von übermütigen Schulabgängern mit rohen Eiern und leeren Petflaschen beworfen worden sind ...

Sicher und heil zurück in Perth, bereiteten wir uns und unsere Räder auf die Weiterreise nach Adelaide vor und verabschiedeten uns nun definitiv von "unseren beiden Holländern", welche nach New Zealand weiterzogen.

6. PERTH - MELBOURNE

PERTH - MELBOURNE

Mit dem legendären "Indian Pacific Train" durchquerten wir im bequemen Sessel die Nullarbor Wüste. Die fast 50-stündige Zugfahrt führte uns durch diese unendliche Ebene von Perth nach Adelaide. Wir waren heilfroh, dass wir uns für diese Zugfahrt entschieden haben, und genossen den Speisewagen, die Bar und die Dusche an Bord!

In Adelaide wurden wir freundlich von Tony und Margaret in Empfang genommen. Diese netten Leute lernten wir im "hohen Norden" in einem typischen Australischen Pub kennen. Wir haben dort übernachtet -sie haben dort aufgetankt. Ein kurzes Gespräch, eine Einladung und daraus folgten vier wunderschöne Tag in Adelaide - geprägt von grosszügiger Gastfreundschaft und Herzlichkeit!

Nach einer "geführten Tour" durch unsere Gastgeber ins Barossa Valley und dessen Weingüter sowie einem Älplermagronen-Schmaus (gekocht von Thomy), verliessen wir Adelaide, um unseren letzten Abschnitt nach Melbourne unter die Räder zu nehmen.

Tony's väterliche Fürsorge trieb ihn sogar soweit, uns mit Sack und Pack in seinem grossen Jeep aus der Stadt und somit weg vom Verkehr zu fahren.

Zwar ohne Verkehr, damit wiederum mit Gegenwind und 3 (!) platten Reifen am ersten Fahrtag, starteten wir mit eher mässigem Enthusiasmus.

Mit freundlicher gestimmtem Wind, prallgepumpten Reifen und gutem Wetter sind wir nun auf den letzten paar hundert Kilometern vor Melbourne. Vor uns liegt noch die wunderschöne Great Ocean Road, bevor wir dann an Weihnachten in Melbourne ankommen werden. Wir freuen uns sehr auf diese Strecke bis Melbourne, sowie auf unsere Verabredung mit Jeanette (Netti) und Anthony, mit denen wir gemütliche Weihnachten verbringen werden.

Nach Weihnachten dann werden wir mit ihnen und ein paar Freunden für 1 Woche in die Australischen Berge fahren. Was wir dort tun?? ... Mountain-Biken!! (Ja, ja, wir wissen, was ihr nun denkt ... zuviel australische Sonne ...!)

So, das wär's aus Australien! Die letzten fünf Monate in diesem speziellen Land waren für uns ein absolut unvergessliches Abenteuer! Wild, rauh, manchmal auch hart, atemberaubend, einzigartig, freundlich, wunderschön ... Schule für's Leben!

An dieser Stelle wünschen wir euch allen frohlockende Festtage mit "bellenden Jingeln" und "jingelnden Bellen"! Auch für das kommende Jahr nur das Allerbeste! See ya then!

Für alle Statistikliebhaber:


7. Kalbarri, 17. Oktober 2000 · Hallo Freunde deren mit Hornhaut am "Füßli"

Kalbarri, 17. Oktober 2000

Hallo Freunde deren mit Hornhaut am "Füßli"


Im letzten Bericht haben wir ja bereits angedeutet, dass wir unsere Strampelei für eine Weile unterbrechen werden und unsere Reise auf eine ganz andere Art und Weise fortsetzen werden. Hier nun also des Rätsels Lösung:

Wir haben in Broome den Kapitän eines Perlentaucher-Schiffes kennengelernt, welches während den Monaten Mai bis September, Whale-Watching-Cruises in Broomes Umgebung macht. Um das Schiff vor den Cyclonen zu schützen, segeln sie jeweils Ende September in den Süden nach Perth. Nun erhielten wir die einmalige Gelegenheit, mit diesem Schiff mitzusegeln! Wir "buchten" die Reise bis Coral Bay, um von dort weiter per Bike zu reisen. Man stelle sich das einmal vor!

Am 18. September ging's denn endlich los, nachdem wir über zwei Wochen in Broome warten "mussten". Wir wurden auf dem Campingplatz von Dave, dem Skipper abgeholt. Unsere Bikes konnten wir im Bus, welcher zum Schiff gehört und ebenfalls in den Süden fuhr, verstauen. Mit dem Schlauchboot fuhren wir über das türkisfarbene Meer raus zu "Willie", unserem Heim für die folgenden 9 Tage. Wir teilten das grosse Schiff, ein Zweimaster im Look eines Piratenschiffes, lediglich mit einem anderen Paar aus England und drei Crew-Mitgliedern. Die Boys machten das Schiff startklar, während Stacy, die Köchin, das erste Dinner an Board bereitete

Wir bestaunten den ersten Sonnenuntergang vom Schiff aus, als wir die Bucht von Broome verliessen. Für Thomy ging damit ein langersehnter "Bubentraum" in Erfüllung, einmal auf hoher See segeln! Karin hat sich das bis dahin eher nicht träumen lassen!

Die erste Nacht und den nächsten Tag fuhren wir mit Motor durch, welches nicht ganz ohne Probleme ablief:

Am ersten Tag verabschiedete sich der Autopilot. So wurden wir gefragt, ob wir denn auch Wache übernehmen möchten. Wir willigten natürlich sofort ein. So verbrachten wir denn während der ersten Nacht einige Stunden auf Deck unter sternenklarem Himmel und steuerten das Boot. Geleitet von Sternen und Radar. Dies war eine sensationelle Erfahrung. Sehr früh am Morgen kam im Dämmerlicht eine ca. 40 Zentimeter hohe Rückenflosse direkt auf unsere Boot zu. Wir erkannten deutlich einen wirklich grossen Hai! Er tauchte unter dem Boot durch und verschwand im Dunkeln. Es sollte nicht der letzte gewesen sein! Ebenfalls sahen wir später fast täglich Humpback-Whales, Delphine, Turtles, Seeschlangen und diverse Rochen. Am zweiten Tag baute der Skipper den defekten Autopiloten aus. Thomy fragte, ob er etwas helfen könne. Dave zeigte ihm das Teil und Thomy zog sich damit in eine ruhige Ecke zurück. Nach einer Weile und einigen Lötarbeiten mit einem viel zu grossen und zu starken Lötkolben arbeitete der Autopilot wieder einwandfrei. Der Skipper nannte Thomy einen "Bloody Mechanics", schüttelte ihm die Hand für eine ganze Weile und freute sich riesig. Thomys Erfolg wurde dann auch gleich mit einem kühlen Bierchen begossen! So fielen "leider" unsere Nachtwachen weg. Am nächsten Tag verabschiedte sich dann auch noch der Alternator des Stromgenerators, da der Matrose eine Batterie des Schlauchbootes verkehrt rum anschloss! Nach ca. 2 Stunden Zerlegungsarbeit gab Thomy denn allerdings auf, da einfach zu viele Teile verbrannt waren. Soviel zum Thema "Pannen an Board".

Wir verbrachten viel Zeit beim Schnorcheln. Der Skipper, selber ein erfahrener Taucher, führte uns an die schönsten Plätze der Monti Bello Islands (dort haben die Briten 1952 drei Atombomben gezündet), Long Island, Muiron Islands und schliesslich des Ningaloo Reefs. Es war unglaublich! Die Inseln und Plätze welche wir anliefen, waren absolut unberührt und menschenleer. Da war niemand und nichts, ausser den Pflanzen und Tieren die dort hingehören, und uns! Wir tauchten mit Turtles, Sting Rays, unzähligen tropischen Fischen in allen Grössen und Farben, Korallen und mehreren Haien. Der grösste Hai war ca. 2,5 Meter lang und nur etwa einen Meter von uns entfernt. Es stellte sich blitzschnell ein mulmiges Gefühl in der Magengrube ein. Die Haie hatten aber bereits gegessen und liessen uns in Ruhe. Ebenfalls tauchten wir nach Crayfish (Lobster), welche dann jeweils frisch aus dem Meer auf dem BBQ endeten, etwas brutal aber fein. Ebenfalls fischten wir fast täglich und fingen unter anderem einen über 10 Kilo schweren Yellow-Fin-Tuna, welcher eine absolute Delikatesse darstellt. Ausserdem hatten wir spanische Makrele, Blü Fin Tuna usw. an unserer Angel. Stacy unsere Köchin hat jeweils die besten Meals daraus zaubert! Wie ihr seht, lebten wir wie die Könige auf unserer "Verlobungsreise" (...nun wisst ihr es...). Allerdings hatten wir zwei Tage sehr rauhe See, sodass man es unter Deck nicht mehr aushielt. Wir verbrachten den ganzen Tag auf Deck, wurden von den Wellen vollgespritzt und fütterten auch mal die Fische... Ebenfalls wegen den wirklich extremen Wellen müssen wir in Perth eine neue Brille für Karin besorgen. Die "alte" ging über Board, d.h. sie wurde von einer Welle erfasst und weggespühlt! Tja, das kann halt passieren mit uns "Süsswasserseglern". Falls ihr einmal auf dem indischen Ozean unterwegs seid und ein Delphin mit einer sibernen Brille auftauchen sollte, nehmt ihm diese weg! Es könnte die von Karin sein! Soviel also zu unserem Boots-Trip.

Als wir dann in Coral Bay einliefen, war es richtig ungewohnt, wieder "fremde" Leute zu sehen. Die ganzen 9 Tage war keine Menschenseele weit und breit! In Coral Bay warteten auch schon unsere Bikes auf uns. Wir verbrachten noch einige Tage im schönen Ort und rüsteten uns aus für die Weiterfahrt.

Nun sind wir bereits wieder seit längerem auf der Strasse. Der Weg ab Coral Bay hat uns einiges abverlangt, da der Wind in den letzten drei Wochen ungewöhnlich stark war. Natürlich kam er aus Süden, was für und Gegenwind bedeutete! Ebenfalls waren nochmals ziemlich lange Strecken zu bewältigen (bis 140 Km pro Tag), davon teilweise über hundert Kilometer ohne eine Kurve!

Wir konnten die Fahrt jedoch recht gut unterteilen, indem wir auch die Shark Bay Region bereisten, obwohl wir fast nichts Gutes darüber gehört haben! "Zu touristisch, zu teuer, zu überlaufen", um nur einige Vorurteile zu nennen. Dort ist die Halbinsel mit dem weltbekannten Delphin Resort Money Mia, wo fast täglich wilde Delphine zum Strand kommen, um sich "mit Menschen zu treffen" (oder ein Fischchen abzuholen). Wir haben sehr viel Glück gehabt, da ausser uns fast keine Leute da gewesen sind. Laut Aussagen von anderen Besuchern, wollen an gewissen Tagen bis 500 Leute die Delphine anschauen, was dann wirklich nur noch ein komerzielles Chaos ist! Bei uns waren da lediglich etwa 20 Leute, und das Wetter spielte prächtig mit! Ebenfalls ist das kleine Fischerstädtchen Denham erwähnenswert, welches die westlichste Stadt Australiens darstellt.

Für uns war die Halbinsel eine wunderbare Abwechslung, da sich uns prächtige Blicke aufs Meer boten und uns die Strecke sogar etliche Hügel bot. Auf jedenfall auch einen Besuch wert ist der Shell Beach, ein 110 Kilometer langer, schneeweisser Strand. Er besteht vollständig aus kleinen Muscheln, welche so kompakt zusammengepresst sind, dass daraus Blöcke geschnitten werden können. Mit diesen Blöcken wurden Gebaude oder auch Strassen gebaut. Es war für uns ohne weiteres möglich, mit vollbepackten Velos (50 Kg Velo plus Fahrer), auf dem Strand zu fahren!

Nun sind wir in Kalbarri angelangt und somit der Zivilisation um Meilen näher gerückt. Es ist ein wunderbares Gefühl, wieder mal Bämü und farbige Wildblumen zu sehen, oder den starken Geruch der Eucalyptusblüten zu riechen. Nach wochenlanger Fahrt durch den Australischen Busch fällt uns all dies speziell stark auf! Während den letzten 80 Kilometern hat sich die Umgebung total verändert!

Von hier aus geht's langsam in Richtung Perth, wo wir wohl einige Zeit "Back in Civilisation" verbringen werden. Wir freuen uns auf diese schöne Stadt und den südwestlichen Teil Australiens. Viel Schönes und Gutes haben wir schon darüber gehört. Wie's wirklich war erfahrt ihr im nächsten Bericht!

Ach ja, fast vergessen: Wir hatten wieder mal einen Platten! Den zweiten seit unserem Start in Los Angeles! Touch wood!!!

Und: Wir hatten vor drei Tagen den ersten Regen seit vier Monaten. Fast wie in der Schweiz, hä?! Ansonsten hat sich "alles beim Alten"

Hier noch die interessanten Defekte für alle Schadenfreudigen:

Sonst alles prima!

Ach noch was, ein kleiner Nachtrag in Sachen Zelt. Wir haben in unseren Berichten öfters die starken Winde erwähnt. Es sind wirklich richtig starke Winde! Dies äussert sich jeweils auch darin, dass man auf den Campingplätzen während der Nacht und am Morgen fluchende Stimmen vernimmt. Die fluchenden Stimmen gehören den Besitzern der vom Wind zerlegten Zelte! Wir haben mit unserem Hilleberg absolut keine Probleme gehabt. Auch die starke UV Belastung hier in Australien scheint ihm bis heute völlig egal zu sein. Wir können das Zelt wirklich allen weiterempfehlen! Es ist sensationell!

O.k. soviel aus Kalbarri. Wir wünschen allen einen möglichst angenehmen Herbst (nicht zu grau, nicht zu nass, nicht zu kalt, nicht zu neblig...) und melden uns aus dem Süden wieder.

Take care!

Liebe Grüsse Thomy und Karin


8. Darwin - Broome (Northern Territory/Western Australia) · Broome, 9.9.00, The Old Zoo Cafe

Darwin - Broome (Northern Territory/Western Australia)

Broome, 9.9.00, The Old Zoo Cafe


Bei einem feinem Cafe am Indischen Ozean lassen wir uns den kühlen, angenehmen Wind (Seabreeze) um die Nase wehen. Nun sind wir also an der Westküste Australiens angelangt; der Teil durchs Outback liegt hinter uns. Aber beginnen wir doch besser beim Start in Darwin:

Nach einigen, teils ungeplanten Vorbereitungen (z.B. insektenmittelzerfressene Radtasche ...), verliessen wir am 12. August Darwin bei Sonnenaufgang. Die nordaustralischen Tage sind sehr kurz: Von 5.30 bis 17.30 Uhr ist's hell. Leider mussten wir hungrig starten, da wir unser Frühstück am Vorabend in den Kühlschrank der Campers-Kitchen verstauten, und diese dann am Morgen jedoch abgeschlossen war ... Dies war auch der erste Tag, an welchem wir unseren kleinen BOB Anhänger ausführten. Bereits auf den ersten 100 Kilometern erhielten wir einen ungeschminkten Eindruck des Radelns in Australien: Saulange Strecken zwischen Wasserstellen, verdammt heisse Temperaturen, und unheimlich viel Nichts zwischen den kleinen Örtchen, welche meist nur aus einer Tankstelle und einem Pub bestehen. Du fährst von einem zum andern Horizont und dahinter wartet bestimmt schon der nächste! Aber das geht alles noch prima, doch so richtig übel sind die überfahrenen, elendstinkenden Tiere am Strassenrand. Das Angebot reicht von kleinen Vögeln, über die Känguruhs, bis hin zum Wasserbüffel. Die Duftwolke ist meist länger, als ein velofahrender Durchschnittsmensch den Atem anhalten kann. Wir wissen es jetzt genaustens! Aber das allerschlimmste was passieren kann ist, wenn man nach den ersten drei Kilometern merkt, dass das Wasser welches man in alle Flaschen und die Wassertanks gefüllt hat, einen wirklich üblen Geschmack hat. Man muss sich dann den ganzen Tag oder sogar zwei Tage zwingen, das eklige Wasser zu trinken. Du hast Durst wie noch nie zuvor und es ekelt dich jeder Schluck an. Das ist richtig hart. Aber immer noch besser als gar kein Wasser.

Der Wind ist meist eher angenehm als störend, da er den Körper etwas abkühlt, egal aus welcher Richtung er weht. Als sehr rücksichtsvoll erlebten wir die bis zu 60m langen, für Australien typischen, Roadtrains. Diese LkW's mit bis zu vier Anhängern, sind in diesem grössten Land der Welt, die einzige Möglichkeit, grosse Mengen von Gütern über die riesigen Distanzen zu transportiern. Benzin, Frischwaren und lebende Tiere werden hauptsächlich transportiert. Sie donnern mit ca. 100 km/h durch die Gegend und ziehen eine dichte, rote Staubwolke hinter sich her. Eines Tages, die Hitze war wieder gross, wurden wir von drei Cattle (Rinder) Transportern mit je drei Anhängern überholt. Danach haben wir dermassen nach Kuhdung gestunken, dass wir uns beim Mittagssandwich kaum mehr vor den Fliegen retten konnten. Zum ersten mal mussten wir unser Fliegennetz über den Kopf stülpen, um wenigstens so ein paar friedliche Minuten verbringen zu können. Die kleinen, ekligen Outback Fliegen suchen den letzten Tropfen Feuchtigkeit auf deiner Haut, sei es in den Augen, im Ohr, in der Nase oder am Mundwinkel. Sehr freundlich und das nervt gewaltig, bei 48 Grad Celsius!

Nach all diesen Beschreibungen unangenehmer Dinge, könnte leicht der Eindruck entstehen, dass wir hier "im falschen Film" sind. Doch weit gefehlt! Die Tage können noch so anstrengend sein. Spätestens am Abend, irgendwo beim Bush-Camping, vergisst man die schwierigen Momente. Wer einmal im Leben einen Sonnenuntergang im Outback erlebt hat, der weiss, von was wir hier sprechen. Ebenfalls das unglaubliche Sternenzelt sowie der phantastische Sonnenaufgang sind einmalige Erlebnisse, für die sich jeder Schweisstropfen lohnt. Ebenfalls bieten sich uns unzählige Gelegenheiten, die Natur pur zu erleben. Die Tierwelt in Australien präsentiert sich uns als unauffälligen Radfahrern äusserst vielfältig. Wir treffen täglich frühmorgens auf Kanguruhs, später auf lautstark krächzende Kakadu- und Papageien-Schwärme in allen Farben und Formen, verschiedene Adler-Arten, neugierige Rinder, Krokodile und andere Echsen, Schlangen, Spinnen, Termiten und Ameisen, teilweise sogar in unserem Zelt ... wir könnten noch lange erzählen!

Was das Radreisen in Australien ebenfalls leichter macht, sind z.B. die sehr freundlichen Caravan-Travellers, welche uns im Bush öfters mit einem kühlen Drink, mit Früchten oder Wasser überrascht haben. Ebenfalls bietet die Strecke atemberaubende Wasserfälle mit natürlichen Pools, Wasserlöcher in Felsen, Schluchten mit 10'000-Jahre-alten Felsmalereien der Aboriginals usw. So verbrachten wir unterwegs natürlich einige Zeit mit Kanufahren, Wandern, Baden und Nichtstun.

Unsere beiden treuen Stahlesel und der kleine Anhänger führten uns ohne grossen Probleme nach Kununurra, welches mitten im Nichts, zwischen Darwin und Broome liegt. Um den Radleralltag für einen Moment zu entfliehen, verliessen wir den sicheren Boden per Flugzeug und genossen sensationelle Blicke über dem Nationalpark Bungle Bungles, dem Lake Argyle und dessen Umgebung. Für uns war dies eine wunderbare Möglichkeit dieses Gebiet zu sehen, da der Zugang sonst nur mit einem guten Geländewagen möglich ist. Dies war ein absolut umwerfendes Erlebnis für uns!

Da die Temperaturen mit jedem Tag anstiegen, und für unseren bevorstehenden Streckenabschnitt noch deutlich heissere (über 50 Grad) erwartet wurden, beschlossen wir, für diesen eher öden Teil den Greyhound-Bus zu nehmen. So kürzten wir den Inlandteil etwas ab, und fuhren in einer Nacht 700 k's bis nach Derby. Wir verliessen Derby um 5.30 Uhr mit dem Sonnenaufgang und radelten in 2 Tagen nach Broome, die Stadt welche für ihre einzigartigen Perlen und deren Tauchern berühmt ist. Dies war unser erstes Ziel an der Westküste Australiens. Etwa 10 Kilometer bevor wir Broome erreichten, begrüsste uns bereits die kühlere Seeluft. Wir waren wieder am Meer! Nach einem Monat radeln durch das Outback, war dies ein unbeschreiblich schönes Gefühl!

Nun, da wir zurück in der Zivilisation sind, geniessen wir diese natürlich in vollen Zügen. Ein herrlicher Strand, Beach-Cafe's, Palmen, türkisfarbenes Meer und gigantischmalerischromantische Sonnenuntergänge bieten sich uns hier!

Für den nächsten Streckenabschnitt bot sich uns eine einzigartige Gelegenheit! Aber mehr wollen wir hier noch nicht verraten ... Der nächste Bericht wird das Rätsel lüften!

Bilanz:

Ach ja, es ist lustig: Wir treffen immer wieder auf die gleichen Leute. So trafen wir z.B unseren schottischen Freund Ian in Broome wieder, der alleine mit dem Velo unterwegs ist und den wir vor drei Wochen das letzte Mal gesehen haben.

Falls irgend jemand einen ähnlichen Trip plant oder nähere Details wissen möchte; Fragt uns doch per Email.

O.k, das wär's für dieses Mal. Liebe Grüsse von uns

9. Reisebericht USA / CANADA von San Francisco nach Vancouver

Reisebericht USA / CANADA von San Francisco nach Vancouver

10. KM 3599 Gefahrene Höhenmeter 25500 · Darwin, Northern Territory, Australia 9.00 Uhr, 33 Grad im Schatten, bei Cappuccino und Blueberry Muffin

KM 3599 Gefahrene Höhenmeter 25500

Darwin, Northern Territory, Australia 9.00 Uhr, 33 Grad im Schatten, bei Cappuccino und Blueberry Muffin

"Himmel, Arsch und Zwirn ...", kam gestern unerwartet über Karin's Lippen, als sie etwas im Zelt suchen musste. Soviel zum Thema "Temperaturen" in Darwin ...

Ausserdem bestätigen uns die ungefähr 50 roten Punkte auf unseren Beinen, dass "Moskitos und Sandflies" stattfinden.

Dazu noch eine Episode der besonderen Art: Da wir bereits in den USA mit den Blutsaugern zu kämpfen hatten, führten wir stets ein Antibrumm Forte mit uns. Um dieses Wundermittel auch in Darwin griffbereit zu haben, verpackten wir es in Vancouver in 2 Plastiktaschen und anschliessend in eine unserer wasserdicht-verschweissten Packtaschen. In Darwin staunten wir dann nicht schlecht, als wir beim auspacken feststellten, dass sich bei dieser Packtasche die verschweisste Naht aufgelöst hatte. Ein Riesenloch klaffte uns entgegen. Grund: Das Antibrumm leckte während der Flugreise (Druck). Dieses Teufelszeug ist so scharf, dass sich sogar der Nahtleim aufgelöst hat. Was tun? Mit viel Glück fanden wir einen Autosattler im Industriegebiet von Darwin, der uns kurzerhand eine Kostprobe seines excellenten Können's erteilte. Die Tasche wurde mit Autositzfaden genäht und anschliessend mit Nahtdichter von Thomy behandelt: Ready to go!

Wir sind also nun in Australien! Nachdem wir in Vancouver einen Bikeshop aufgesucht haben, die sperrigen Boxen mühsam mit dem Bus und zu Fuss nach hause geschleppt hatten, stellten wir fest, dass unsere grossen Tourenbikes eben nicht in die Boxen passen. Super. Nach einem heissen Tip, welchen wir durch puren Zufall von einem zerzausten (zerlausten?) Weltenbummler erhielten, fanden wir schlussendlich passende Boxen in der Train Station von Vancouver. Karin allein mit zwei riiiiesen Boxen, musste den Busfahrer bezirzen, dass sie überhaupt mitfahren durfte. Die anderen Fahrgäste liebten sie ebenfalls über alles ... soviel zum Thema "Verpackungsbesorgung" !! Ach ja, auch den Taxifahrer zum Airport mussten bestechen, damit er uns alle vier mitfahren liess.

Letztendlich hat sich der ganze Aufwand gelohnt. Nach einer 50 stündigen Reise von Vancouver nach Darwin, mit Kaffeepause in Honolulu, Lunch im winterlichen Sydney und Abendessen über dem Outback, erreichten wir total k.o. den tropischen Norden Australiens. Bereits in Sydney erfuhren wir höcherfreut, dass unsere Bikes nicht mit uns nach Darwin mitfliegen werden. Dies erschütterte uns nicht im Geringsten, wussten wir doch wenigstens, dass sie bereits auf dem richtigen Kontinent waren. Dies ist nicht selbstverständlich, wie sich ja beim letzten Flug herausgestellt hat ... für uns hatte es sogar noch einen Vorteil: Wir waren, ohne die Velos mitnehmen zu müssen, viel schneller im kühlen Hotelzimmer. Nach einer guten Mütze Schlaf, kehrten wir am nächsten Morgen zurück zum Airport um die Bikes abzuholen. Sie waren da! Unversehrt! Aber eigentlich wollten wir ja gar nicht über Australien erzählen, sondern den letzten Teil unserer USA / Canada Reise.

Am 18. Juni verliessen wir Berkeley. Nach 4 Wochen süssem Studentenleben und einem weichen Bett kehrten wir wieder ins "reelle" Camperleben mit hartem Nachtlager zurück. Bereits am ersten Tag erfüllte sich ein langersehnter Wunsch von Karin: Einmal mit vollbepacktem Radl über die Golden Gate Bridge zu fahren. Was sie bis anhin nicht wusste: Die Winde, die um die Brückenpfeiler pfeiffen, reissen so gewaltig an den Packtaschen, dass man leicht ausser Kontrolle gerät. Davon ein entspanntes Photo zu machen, war ein Ding der Unmöglichkeit. Bei Bilderbuchwetter führte uns der Weg unter anderem durch den phantastischen Point Reyes National Seashore Park in Richtung Northern California. Bei Kilometer 1528 trafen wir den ersten "Kean Biker", der sich ebenfalls für nordwärts und somit gegen den Wind entschieden hat. (Alle anderen Velofahrer, und das waren sehr viele, winkten uns segelnd von der anderen Strassenseite südwärts zu.) Benjie, so war sein Name, hatte wohl einen Anhänger dabei, aber weder Zelt noch Kocher im Gepäck!! So verpflegte er sich tagtäglich von Peanutbutter-Sandwiches und kalten Chili-Dosenfutter .... wir waren beeindruckt von seiner Verdauung! Dies zum Thema "Langzeit-Radfahrer".

Weiter nordwärts fuhren wir vorbei am malerischen Mendocino, (bekannt aus dem Julia Robert Filmchen "Dying Young" und dem etwas abgedroschenen gleichnamigen Schlagersong), um bei Wesport die Küste für eine Weile zu verlassen, und ins Inland Richtung "Redwoods" zu gelangen. Der Weg zu diesen gigantischen, weltberühmten Riesenbäumen, verlangte uns einiges ab. Bei 40 Grad Celsius hatten wir 1250 Höhenmeter mit Vollpackung zu bewältigen. Umso grösser war die Freude, als wir den ersten dieser Riesen entdeckten! Bekannt durch das Bild, bei dem ein Personenwagen durch den Stamm hindurchfährt, locken diese Baueme heute viele Touristen an. Die Bäume, welche über 2500 Jahre alt werden können, haben sich ihrer Umgebung über Jahrtausende (feuchtes, nebliges Klima) angepasst. Sie haben ausserdem eine Fähigkeit entwickelt, den Buschfeuern und Waldbränden standzuhalten. Sie sondern einen klebrigen Harz aus, welcher die furchige dicke Rinde vor dem Feuer schützt. Diese Rinde ist ausserdem ein perfektes Bewässerungssystem. Das einzige, was diese fantastischen Zeugen der Zeit umbringt, ist der Mensch. Leider fuhren wir tagelang durch Gebiete, welche total kahlgerodetet waren. Glücklicherweise sind die Bäume heute in den Nationalparks geschützt.

Ein Reisetag führte uns durch die unglaubliche "Avenü of the Giants", eine 60 Kilometer lange gewundene Seitenstrasse durch den Redwoods-Urwald. Wir waren fasziniert von diesem unberührten Naturwunder. Die Bäume, welche auf natürliche Weise umgefallen sind, z.B. durch Wind, bleiben 500 - 800 Jahre liegen, bis sie verrottet sind. Ein ungewohntes Knackgeräusch holte uns aus unseren Tagträumen auf die Strasse zurück: Tausende und Abertausende von 10 Centimeter langen Raupen, welche versuchten die Strasse zu überqueren, zierten die Strasse auf den nächsten 20 Kilometern. Es war für uns unmöglich, allen auszuweichen, was sich dann jeweils mit einem ekeligen Knackgeräusch äusserte.

Wir liessen die beeindruckenden Redwoods hinter uns und gelangten zurück zur Küste. Dort empfing uns der Gegenwind wieder freundlich und heftig. Mit dem Wind im Gesicht machten wir uns auf den Weg zum Staate Oregon. Oregon's Küsten sind schwierig in Worte zu fassen. Schlicht und einfach: Atemberaubende Naturschönheit! Es war ein Traum, durch diese wilde, herrliche Landschaft zu radeln und mit allen Sinnen wahrzunehmen. An der ganzen Küste findet man schmucke Ortschaften, welche zu einem gemütlichen Coffee-Break mit frischduftendem Muffin einladen. Oregon's Küsten haben ausserdem erstaunlicherweise riesige Sanddünen inmitten von Wäldern zu bieten. Dies ist eine Attraktion für alle 4WD-Freaks. Ist es doch erlaubt, mit allem was sich im Sand fortbewegen kann, die Dünen unsicher zu machen. Einer gebrochenen Speiche sei dank, dass wir den wahrscheinlich schönsten Statepark Oregon's mit See, Dünen und Wald entdeckt haben. Ach ja, dort trafen wir auch einige hundert Moskitös ... aber diese konnten uns nicht von unseren perfekten Eindrücken Oregon's abbringen.

By the way: Es lohnt sich, in Tillamook (Oregon) die Tillamook Cheese-Factory zu besichtigen. Nicht nur für Emmi-Fans ... Karin wurde es ganz warm ums Herz ....

Ein anderes Kapitel fing an jenem Tag an, an dem wir Oregon in Richtung Washington State verliessen. Es regnete in Strömen und wir mussten unsere schwere Regenkleidung hervorkramen. Da die Temperaturen trotz des Regens sehr hoch waren, schwitzten wir uns die Seele aus dem Leib ... puh. Allmählich wurde das Wetter wieder besser - aber die Landschaft nicht. Washington State präsentierte sich uns als beängstigend, langweilig, schmutzig und unfreudlich. Hier ist allerdings anzumerken, dass wir eine Inlandroute gewählt haben, und leider nicht der Küste gefolgt sind. Das war ein grosser Fehler. Wir haben unserer vorgeschlagenen Route zu stark vertraut. Stundenlange Fahrt durch verkommene Slums und Hütten aus Planen mit unzähligen Autowracks und sonstigem Schrott im Vorgarten. Hinter jedem Zaun, sofern einer existierte, kläfften und bellten verfilzte agressive Hunde. So war es denn auch nicht erstaunlich, dass wir zweimal ernsthaft von Hunden attackiert wurden. Thomy musste unseren Pfefferspray einsetzen. (Danke, Kathrine und Rüdi!) Diese negativen Erfahrungen veranlassten uns, die Tagesleistung hochzuhalten um möglichst schnell nach Seattle zu gelangen.

Die Überfahrt nach Seattle mit der State Ferry wie auch der letzte Teil in Richtung Seattle per Bike waren wieder - wie gewohnt - wunderbar. Seattle empfing uns sehr freundlich sodass wir dort einige ruhige Tage verbrachten und Seattle's Best Coffee genossen.

Eine weitere Fähre brachte uns zu den sensationellen San Juan Islands. Dort besuchten wir die Hauptinsel San Juan und waren von anfang an begeistert. Wir fühlten uns wie in den Ferien!! Har, har. Auf einer Inselrundfahrt mit dem Velo, in Begleitung von Johnny, dem Man aus Vancouver, erlebten wir ein absolutes Naturspektakel und Highlight unseres ersten Reiseteils: Eigentlich erwarteten wir an jenem Tag innsgeheim, einen Wal zu sichten. Leicht enttäuscht, da unsere Erwartung nicht eingetroffen war, machten wir uns bereits auf den Rückweg zum schönen Campingplatz. Plötzlich schrie Johnny auf: "See, the Whale-Watch-Boats overthere!" Wir stoppten aprupt und schauten gespannt in Richtung Boote aufs Meer hinaus. Die Boote kamen genau auf uns zu. Da! Inmitten der Boote sahen wir eine riesige schwarze Rückenflosse auftauchen und wieder verschwinden. "Orcas!", schrie Johnny, und riss seinen Stahlesel herum, um ein Stück zurückzudüsen, wo ein Felsvorsprung dirket ins Meer ragte. Natürlich preschten wir unserem "Tourguide" hinterher. Im Laufschritt hetzten wir auf diese Felsnase und da kamen sie auch schon. Es waren mindestens 20 Wale, welche direkt auf uns zuschwammen. Sie sprangen in die Luft und spielten miteinander. Letztendlich zogen sie so nah an uns vorbei, dass wir ihr lautes Atemgeräusch deutlich hören konnten. (ca. 30 Meter Entfernung!) Wir waren wie versteinert. Dann kehrten einige von ihnen nochmals zurück, um sich uns noch von der anderen Seite zu präsentieren. So sassen wir da, eine gute Stunde, trauten unseren Augen nicht und vergassen fast, das Ganze Spektakel noch bildlich festzuhalten.

Nach den Tagen auf San Juan Island, verliessen wir die USA per Fähre in Richtung Vancouver Island, Canada. Wir verbrachten einige Tage im hübschen, "englischen" Hauptort Victoria, wo wir in einem Hostel hausten. Ist ja eigentlich nichts aussergewöhnliches! Wir hatten einen private Room, den man nur erreichen konnte, indem man durch einen "Frauen - Dorm" ging. So wartete Thomy jedes Mal auf ein histerisches Geschrei, wenn er das Zimmer betrat. Ist aber nichts passiert. Uff! Um die Südküste der Insel zu erkunden mieteten wir ein Auto für einen Tag. Wir reservierten einen Kompaktwagen. Als wir diesen am nächsten Tag abholen wollten, erhielten wir einen riesigen V8 Pick-Up zum gleichen Preis, da sie keine Kompaktis mehr hatten. Wir bedankten uns, und zischten ab mit dem Höllengerät. Was für ein Gefühl, wieder mal Auto zu fahren und erst noch mit über 200 PS! Zu guter Letzt fuhren wir wieder per Bike nach Nanaimo zu Shirley und Tom (haben wir auf San Juan kennen gelernt) um dort ein wunderbares Pasta Dinner zu geniessen und die Nacht zu verbringen.

Wieder per Fähre (diese Fahrten sind wirklich super!) gelangten wir schiesslich nach Vancouver (Horseshö-Bay). Wir suchten uns den Weg durch die prima Stadt in unser "Bed & Breakfast, After Dusk" by Doris and Jö. Wir wurden sehr freundschaftlich empfangen und mit wunderbarem Frühstück verwöhnt. Thanx Doris!

Für alle Radfahrer unter euch: Bestimmt kennt ihr die Velokleider Marke "Sugoi". Wir benutzen viele Stücke dieser Marke auf unserem Trip wie auch zu Hause. Es bot sich uns die Möglichkeit, die in Vancouver ansässige Firma zu besichtigen. Was wir dort sahen, bestätigte uns den perfekten Eindruck dieser Ware. Die ganze Produktion (inklusive Design und Druck der Stoffe) findet unter einem Dach statt. Jedes Stück ist handgenäht!! Wir denken, dass dies die Besten Bikekleider sind, die für Geld zu erhalten sind. Sehr zu empfehlen!

Wir verbrachten viel Zeit in der Stadt, den Parks, den Kaffees und den gewaltigen Outdoor-Shops, bis zum Tag an welchem die Sache mit den Bikeboxen ... aber das kennt ihr ja bereits.

Somit ist unsere erste Mission "Against the Wind" abgeschlossen. Das neue Motto für die nächsten 5000 Kilometer heisst: "Against the Dehydration"! Prost!

Hier noch die Bilanz der ersten 3599 Kilometer:

....und Thomys Bikeschuhe haben sich in Einzelteile zerlegt.

11. KM 2494 4th of July 2000 Lincoln City, Oregon

KM 2494 4th of July 2000 Lincoln City, Oregon


Um 6.00 Uhr morgens weckt uns der Regen, der auf unser gemütliches Zelt prasselt. Seit Wochen der erste Regen! Wir drehen uns in unseren Schlafsäcken, und blinzeln uns mit verschlafenen Augen zu. Doch das Lachen sollte uns an diesem Tag noch vergehen ...

So packten wir in strömenden Regen unser Zelt und die restlichen sieben Sachen zusammen um unter einem Vordach ein trockenes Müesli zu geniessen. Von Kopf bis Fuss eingehüllt in Regenklamotten, kehrten wir zurück auf unseren Weg in Richtung Nord. Einige Meilen nach dem Start, wo wir eine lange steile Brücke mit sehr schmaler Fahrspur zu überqueren hatten, blieb Karin mit einer vorderen Tasche an einem Geländerpfosten hängen. (Dies in voller, konzentrierter Fahrt!)Mit einem lauten Aufschrei von Karin und einem Knall, verabschiedeten sich die beiden vorderen Taschen von ihren Gepäckträgern und landeteten in zwei Pfützen. Nachdem wir vom ersten Schrecken erholt hatten, prüften wir Mensch und Material auf bleibende Schäden.(Natürlich in strömendem Regen!) Eine Tasche verlor bei dem Crash zwei Nieten der Aufhängevorrichtung. Wir beschlossen, die Tasche notdürftig mit einem Packriemen zu befestigen und uns bis zum nächsten Coffee-Shop durchzuschlagen. Dort reparierte Thomy unter widrigsten Umständen die Tasche. Die Belohnung war ein warmer Coffee und ein riesiger Cinnamon-Twist!(Süsser, feinster, Zimtzopf ... mmmh.)

Guten Mutes setzten wir unsere Fahrt im Regen fort. Die Strecke war ausserordentlich verkehrsreich und langweilig. Ungefähr 10 km vor dem Ziel, sass Thomy plötzlich verdächtig tief im Sattel. Der Grund: Sein Hinterrad verlor langsam aber sicher die Luft. Und das Mitten in der Pampa. (Es regnet immer noch!) Bei Regen verwandelt sich der reichliche Staub der Strassen in eine braunschwarze Brühe. So kann man sich vorstellen, wie unsere Räder, inkl. Taschen und Fahrer ausgesehen haben. Um irgenwo ein Dach zu erreichen, beschlossen wir, das Hinterrad jeden Kilometer notdürftig so hart wie möglich aufzupumpen. Dabei stellten wir fest, dass unsere mitgebrachte Pumpe reiner Schrott ist. Endlich nach etlichen anstrengenden Pumpaktionen in den warmen Regenkleidern, erreichten wir eine Tankstelle. Dort gab es Wasser und Luft und ein Dach! Ein winziger Glassplitter war der Grund für unseren ersten platten Reifen, seit 2494 Kilometern.

Als wir endlich den in unserer Karte viel näher eingezeichneten Campground erreicht hatten, hörte es auf zu regnen. Wir brachten all unser Material wieder auf Vordermann, liessen das "pflotschnasse" Zelt trocknen (mittlerweile schien ja die Sonne wieder) und genossen dazu eine Riesenportion Ice Cream. Schliesslich war ja 4th of July!

Tja, auch bei uns läuft nicht immer alles ganz so rund, wie es vielleicht scheinen mag. Aber das macht das Camperleben erst richtig spannend ...

12. Km 960, 26. Mai 2000, Berkeley (San Francisco)

Km 960, 26. Mai 2000, Berkeley (San Francisco)

Die "Zeit der Reife(n)" vergeht wirklich wie im Flug. Bereits liegen die ersten knapp 1000 km unserer Reise hinter uns.Als sei es gestern gewesen, erscheinen uns die Erinnerungen an unseren "Start" in Los Angeles: "Sorry, your luggage and your two bikes aren't here!" waren die ersten Worte im Land der unbeschränkten Möglichkeiten. Da standen wir nun, ohne Fahrräder und ohne Taschen. Nachdem wir den Weg zwischen Airporthotel und Airline Helpdesk viele Male abgefahren hatten und immer wieder aufs Neue vertröstet wurden, stand unser Gepäck schlussendlich nach 2 Tagen im Hotel. Schockiert und versteinert standen wir da, als wir die verbeulten Fahrradboxen und all die geöffneten und durcheinandergebrachten Taschen vor uns sahen. Doch nach genauer Inspektion stellten wir fest: Trotz perfekter Verpackung der Fahrräder ist es wohl unmöglich, sie heil transportieren zu lassen. So waren Thomy's erste Reparaturarbeiten nötig, bevor die ersen Meilen gefahren waren. Das restliche Material war glücklicherweise alles komplett.

Nach einer letzten Nacht im Flughafenhotel zogen wir frischen Mutes los. Wir liessen die Millionenstadt und das Highway-Ungetüm Los Angeles hinter uns und orientierten uns von nun an stets an der Küste. nsere Richtung heisst "Nord".

Bereits am ersten Tag werden wir von diversen Leuten aufgehalten und nach unserem Ziel gefragt. "You are nuts!" und dergleichen mussten wir uns anhören, als wir bekannt gaben, dass wir zuerst San Francisco und danach Vancouver ansteuern. "hat's about the wind?" fragten alle erstaunt. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht so detailliert, weshalb alle so heftig reagierten, wenn sie erfuhren, dass wir nordwärts unterwegs sind.

Auf jeden Fall war die Strecke bereits von Anfang an wunderschön. Die ersten Kilometer fühten uns über einen Bikepath (Radweg), der mitten auf den Strand gebaut ist. Später dann mündete der Bikepath dann auf unsere eigentliche "Hauptachse"; Den Highway Nr. 1!

Der erste Eindruck dieses legendären Weges war getrübt von heftigem Feierabendverkehr. Aber, es hatte stts einen mindestens einen Meter breiten Streifen am rechten Rand der Strasse. Dieser für uns so wertvolle Streifen (manchmal auch Bike Lane genannt) sollte uns, ausser an ganz wenigen Stellen, bis nach San Francisco begleiten!

Die Vegetation in dieser Jahreszeit (April) ist äusserst üppig Die Sträucher, Blumen und Bäume am Strassenrand blühen. Es herrscht eine unheimliche Farbenvielfalt. Es zeigt sich ein weiterer Unterschied zum Reisen mit dem Auto. Wir können die ganzen Blüten und Gräser riechen und sie unterscheiden. Von ganz süssem bis zum betörenden Duft der Eukalyptusbäume ist alles vorhanden. Es ist ein Gefühl, dass man zuerst erleben muss, wenn man am frühen Morgen durch einen Eukalyptuswald fährt und einem der kühle Duft in die Nase ströhmt!Das ist unvorstellbar!

Die erste Nacht verbringen wir am bekannten "Malibu-Beach". An diesem Abend konnten wir im glitzernden Meer die ersten Delphine ausmachen! Es war ein grossartier Moment, den wilden Tieren beim Spielen zuzusehen! Mit diesen Bildern im Kopf ging unser ersterTag schliesslich zu Ende.

Bereits beim ersten Campieren lernten wir, dass man die Campgrounds mit teilweise recht zwielichtigen Gestalten teilt. Es sind meist Leute, welche ein Zelt und evtl. noch ein Auto besitzen und auf dem Campground ein billiges zu Hause haben. Tagsüber arbeiten sie irend etwas und am Abend trinken sie Bier. Die gemischten Gefühle die wir am Anfang hatten, sind mittlerweile weg. Die Leute sind friedlich, teilweise sogar sehr interessant!

Während den folgenden Tagen folgen wir der Küste, teils auf dem Hwy Nr. 1, teilweise auf Bike Wegen stets in Richtun Nord. Wir erleben sehr vieles an und auf der Strecke. So z.B. die bereits erwähnten "Chaoten" auf den Campgrounds, sehr viele verschiedene Tiere, und eine stets sehr abwechslungsreiche Küstenlandschaft. Wir werden begleitet von Delphinen, Pelikanen, ja sogar ein Königsadler lässt uns bis auf ca. 20 Meter an sich herankommen, damit wir ihn in seiner vollen, majestätischen Grösse bestaunen und bewundern können. Die Küste wechselt von zarten, grasbewachsenen Hügel bis hin zu schroffen und sehr hohen Klippen! Es bieten sich uns unzählige wunderschöne Aussichtspunkte, die uns schlichtweg den Atem rauben. Das Meer ist tiefblau!

Ein spezieller Punkt an der Pazifikküste ist das Wetter. Es ist fast jeden Morgen sehr kalt und neblig. Der Nebel verzieht sch teilweise sehr schnell, manchmal bleibt er jedoch bis ca. 10.00 hängen! Sobald die Sonne sich durchgekämpft hat, breitet sich eine wohlige Wärme aus. Dann ist da der bereits erwähnte Wind. Es gibt eine Regel, die anscheinen immer gilt: Der Wind kommt immer von Norden oder Nord-westen. Das ist leider genau die Richtung in die wir fahren! Zu unseren Erfahrungen mit dem Wind haben wir eine kleine Geschichte zu erzählen: Am 10. May hatten wir uns eine kurze Strecke von nur 40 m vorgenommen. So genossen wir anstatt einem, zwei Cappuchinos in einem der pretty coolen Cafes. Die Zeit verging und so gegen Mittag machten wir uns auf den Weg. Das war ein fataler Fehler! Nach ca. fünf Kilometer (immer so um 12:00 mittags) fing der Wind an, unheimlich stark zu werden. Am Anfang machten wir noch Witze darüber. Das sollte sich aber noch ändern. Letztendlich fuhren wir in den kleinsten Gängn um überhaupt noch mit maximalen 6 Kilometer pro Stunde fahren zukönnen. Körperlich hat uns das Ganze bis aufs Letzte gefordert! Wir haben noch selten so viel Kraft auf dem Fahrrad verbraucht! Es war für uns eine gute Lehre! Wir wussten nun endgültig, dass wir unsere Tage möglichst früh beginnen müssen, dass wir möglichst weit kommen, bevor der Wind anfängt. Der Wind an diesem 10. Mai war so stark, dass bei Karin eine Bindehautentzündung am rechten Auge ausbrach und wir den Augenarzt aufsuchen mssten. Dort gab's eine Konsultaion von 80 und die dazugehörigen Augentropfen für $ 46.10. Krank werden lohnt sich in den USA nicht!

So verbrachten wir denn eine Nacht im Motel, um das Auge zu schonen. Wir gaben dem Auge und uns einen Tag frei und setzten die Fahrt denn am 12. Mai um 8:00 Uhr fort.

Wir passten also unseren Tag der Sonne an. Wir stehen nun mit der Sonne auf (6:00) und kriechen bei Sonnenuntergang wieder in den Schlafsack. Dieser Rythmus hat sich als sehr gut erwiesen, was den Wind angeht. Ausserdem ist die Küste im morgendlichen Licht am schönsten. Der einzige Nachteil vom frühen Tagesanbruch st der, dass das Zelt vom Nebel und der feuchten Luft während der Nacht sehr nass ist. Dies ist allerdings nicht sehr tragisch, da nach Ankunft am nächsten Ort genügend Zeit zur Verfügung steht, das Zelt trocknen zu lassen. Soviel zu unserem "Alltag als Nomaden".

Am 12. Mai, eta 100 Miles südlich von Big Sur hatten wir ein besonderes Glück. Dort befindet sich ein Strand, an dem sich momentan hunderte von Seeelephanten mit ihren Jungen aufhalten. Das war ein unvergesslicher Anblick. Die männlichen Tiere erreichen eine Länge von bis zu vier Metern. Der Strand hat eine Länge von ca. zwei Kilometern und war voll dieser gewaltigen, massigen Tiere.

Wir verbrachten anschliessend zwei Tage in Big Sur. Nachdem wir den Weg dorthin (einer der schönsten Küstenstreifen der Westküste) bei schönstem Wetter geniessen konnten, meinte es der Wettergott nicht besonders gut mit uns: Es regnete zum ersten und bis heute einzigen mal in Strömen. Also flog unsere geplante Wanderung durch die gewaltigen Eichenwälder (Redwoods) buchstäblich ins Wasser. Totzdem: Big Sur muss man gesehen haben!

Die restliche Strecke nach San Francisco konnten wir wieder "trockenen Fusses" hinter uns bringen. In Monterey verbrachten wir nochmals zwei Tage. Es ist eine wirklich interessante, abwechslungsreiche Kleinstadt. Das Monterey Aquarium ist diebeste Austellung über Lebewesen im Wasser, welche wir je gesehen haben! Phantastisch!

Am 21. Mai schliesslich fuhren wir mit Sack und Pack in San Francisco ein. Auch dieser Tag präsentierte sich wieder von der schönsten Seite (Wetter). Von Süden her umfuhren wir die ganze Stadt der Küst entlang. Es boten sich umwerfende Blicke auf die grossartige Golden Gate Bridge, den Fisherman's Wharf, die Bay Bridge und, und, und. San Francisco ist ein wirklich spezieller Platz. (Hab ich ja schon immer gesagt, sagt Karin.)

Nach einer abenteuerlichen Fahrt mit unseren Packeseln in de BART (U-Bahn)erreichten wir am Abend unser neues Zuhause in Berkeley, in welchem wir nun während der Schulzeit von vier Wochen wohnen. Es ist ein sehr schönes Haus und unsere Lady ist wirklich nett.

Anscheinend hatte Thomy während der letzten Fahrt - dem wohl bis heute heissesten Tag - nachSan Francisco zu wenig getrunken. So lag er von Montag Nachmittag bis Dienstag Abend mit fast 40 Grad Fieber im Bett.

Mittlerweile ist alles wieder in Ordnung und wir geniessen das Studentenleben in vollen Zügen!

13. Hier noch einige Punkte unserer Route:

Hier noch einige Punkte unserer Route:

Los Angeles - Malibu - Port Hueneme - Carpentiera - Pismo Beach - Morro Bay - Moonstone Beach - Big Sur - Monterey

Anmerkung: Falls irgend jemand plant, diese Strecke ebenfalls mit dem Bike zu befahren:

Richtung Süd geht's einfacher! Die Karten "Bicycle Touring Maps" von "Adventure Cycling Association" (erhältlich bei Velo Plus, Wetzikon) sind absolut super! Es lohnt sich, diese vorher zu besorgen.

Material besorgen in den USA: Es ist nicht mehr günstiger, das Material in den USA zu besorgen. Evtl. in Kanada, aber nicht in den USA. Besorgt euer Material in der Schweiz, dann könnt ihr alles vorher testen!

km 00'000, 15. April 2000:

Zurzeit sind wir noch in der Schweiz und stecken mitten in den Vorbereitungen. Der Startschuss erfolgt am 30. April 00. Die Wohnung gleicht einem Schlachtfeld, die Räder sind schon ungeduldig im Stall bereit und wir werden allmählich nervös ...

Hier trotzdem schon mal eine kurze Beschreibung, was uns das nächste Jahr beschäftigen wird:

Wir fliegen zuerst nach Los Angeles. Um den neuen Tagesablauf "trainieren" zu können, beradeln wir zuerst den Highway No. 1 in Richtung Norden. In Berkeley (San Francisco) machen wir einen Unterbruch von einem Monat um die Schulbank zu drücken: Englisch pauken und die wunderschöne Stadt erkunden sind angesagt.

Wir werden dann von Berkeley der No. 1 bis Vancouver (Canada) folgen.

In Vancouver werden wir unsere Drahtesel wieder flugtauglich machen um den Kontinetenwechsel nach Australien unbeschadet zu überleben. Wir werden Darwin im Norden von Australien als erneuten Startpunkt nehmen. Das Northern Territory und anschliessend die Westküste hinunter bis Perth im Südwesten von Downunder haben wir als ersten Teil am andern Ende der Welt geplant. Was wir anschliessend in Australien noch anstellen werden, steht noch in den Sternen. Lasst euch überraschen!

Auf jeden Fall werden wir Anfangs 2001 Australien ab Alice Springs in Richtung Bangkok (Thailand) verlassen. Die Route in Südostasien haben wir erst ganz grob geplant. Wir wollen uns noch genauer vorbereiten um später die für uns interessanteste Route auszuwählen. Ihr werdet ja sehen, wo es uns dann hinzieht ...

Falls jemand von euch noch offene Ferienpläne hat, und gerne mit uns am Feuer während des Sonnenuntergangs ein saftiges T-Bone-Steak braten möchte, das Rauschen der Wellen im Hintergrund: Setzt euch mit uns via Mail in Verbindung ...

Also, es bleibt uns nun noch, euch allen viel Vergnügen beim Lesen unserer Erlebnisse zu wünschen. Unsere Berichte werden ca. ab Mitte Mai mehr oder weniger regelmässig auf diesen Seiten veröffentlicht sein. Wir hoffen, dass es uns gelingt, das eine oder andere Foto im Web zu veröffentlichen. Wir wünschen euch in der Zwischenzeit alles Gute und dass auch eure Träume in Erfüllung gehen !

Liebe Grüsse Thomy & Karin CU SOON !

HOME USA/KANADA AUSTRALIEN SÜDOSTASIEN FOTOS