Heritage Dossier

Tandem Down Under – Australien 2007

Eine Linie quer durchs rote Herz des Kontinents: Zug, Tandem, einmal Auto, wieder Tandem – bis der Timor-See in Reichweite war. Unten der Reisebericht der Tour aus dem Archiv — in Kapiteln mit aufklappbaren Abschnitten; Fotos in der Archivgalerie unten.

Route im Überblick

Von Adelaide ging es mit The Ghan nach Alice Springs – Komfort für die lange Querung, bevor das Tandem übernimmt.

Von Alice aus fuhren wir mit dem Tandem Richtung Uluru (Ayers Rock). Für die Rückkehr nach Alice nutzten wir ein Mietauto; von dort startete die lange Nordetappe mit dem Tandem bis Darwin.

Unten die Archivgalerie: eine Auswahl aus dem Fotoarchiv der Expedition, Schwerpunkt Landschaft und Weite – unbearbeitet aus dem damaligen Bestand. Umfang und Schnitt sind nicht fix; es geht um den Eindruck der Reise, nicht um eine bestimmte Bildzahl.

  • Start in Adelaide, dann mit dem Zug The Ghan durchs Outback bis Alice Springs.
  • Mit dem Tandem durch die Weite des Zentrums bis zum Uluru und zurück in die Pedale.
  • Zwischenetappe mit Mietauto zurück nach Alice – Logistik trifft rote Erde.
  • Nordwärts mit dem Tandem bis Darwin: Hitze, Horizont und endlose Fernstrassen.

Reisebericht (2007)

Zeitgenössische Kurzupdates aus der Expedition, hier als Archivtext erhalten — die Fotos sind in der Archivgalerie weiter unten auf dieser Seite gebündelt.

Die Kapiteltexte stammen aus den damaligen Online-Berichten (Blog bzw. Website) und wurden für dieses Archiv möglichst authentisch übernommen — einschliesslich typischer Formulierungen und Schreibweisen von damals.

1. Ankündigung: Tandem-Reise Australien

Veröffentlicht: 2007-02-03

Wir sind in den Vorbereitungen für unser nächstes Bike-Reiseprojekt.

Wieder einmal zieht es uns in die grosse Weite des "roten Kontinents" - nach Australien. Wir werden am 1. April 2007 nach Adelaide fliegen, anschliessend mit dem GHAN (Zug) nach Alice Springs fahren und schliesslich von dort zu unserem Abenteuer aufbrechen.

Speziell ist diesmal sicher unser Transportmittel. Wir werden nicht wie bei den letzten längeren Velo-Reisen auf unsere bewährten Aarios "Stahlesel" setzen, sondern vertrauen uns voll und ganz unserem ALU-Hightech Tandem an.
In Kürze werden wir hier ein paar nützliche Infos zum Thema Tandem etc. veröffentlichen. Nur soviel zum Voraus. Tandem fahren macht eine Menge Spass - vor allem mit viel Gewicht am "Hänger".
Auf den Testfahrten, bei welchen wir zum Beispiel eine volle Wochenration eingekauft haben, ist uns der vollbepackte Bob Yak Trailer kaum mehr aufgefallen. Beim einzelnen Tourenrad macht sowas nur masochistischen Naturen wirklich Freude.
Also - in Kürze mehr zu unserem Projekt und zum verwendeten Material.
2. Vorbereitung (Foto)

Veröffentlicht: 2007-02-03

Nun heisst es, sich vorzubereiten, auf die langen, langen Strecken in Australien.

Wie bei allen Reisen haben wir unsere Aufgaben ein wenig aufgeteilt. Tom kümmert sich um das ganze Technische, inkl. Aufbauen unseres neuen Tandems, und ich besorge alle Flüge und Transporte. Dieses Mal sind wir bereits bei der Vorbereitung ganz schön gefordert worden. Es ist nicht ganz einfach, ein Tandem inkl. dem kompletten Tourengepäck auf ein Flugzeug zu kriegen. Dank der tollen Unterstützung von Nayak Reisen aus Basel (merci Irène!) haben wir nun aber eine Bestätigung von Singapore Airlines erhalten. Es ist sogar möglich, das Tandem ohne Box aufzugeben - allerdings übernimmt die Airline dann keine Haftung für Schäden. Da wir ja bereits mehrmals mit den Bikes geflogen sind, wissen wir, dass gerade wenn die Bikes in Boxen sind, die grossen Schäden entstehen. Das Bodenpersonal muss die Boxen halt relativ mühsam umhertragen, während man die nicht verpackten Bikes locker vor sich herschieben kann.
So werden wir nun also mit unserem Tandem am 1. April von Zürich nach Adelaide fliegen. Anschliessend bringt uns der GHAN (Zug) nach Alice Springs, von wo dann unser Abenteuer beginnen wird.
Mehr zur Strecke und zum Material in Kürze.
3. Bob Yak Anhänger ist bereits angekommen

Veröffentlicht: 2007-03-27

Unser umgebauter Bob Yak Einradanhänger ist wohlbehütet in Adelaide angekommen. Das erste Transportproblem hat also bestens geklappt.

Für alle, die "grosse Dinge" versenden möchten... Wir haben ziemlich viele Firmen angefragt und leider recht viele ernüchternde Infos erhalten.

Zu guter letzt - die Post macht's! Und erst noch günstig. Wir haben die Originalkiste unseres Anhängers voll gestopft mit Material, welches beim Flug Probleme bereiten könnte - zum Beispiel Kocher, Benzinflaschen, Werkzeug und auch fast alles Ersatzmaterial. Sogar ein paar Travel-Food Portionen sind bereits dort.

Somit können wir uns nun der Verpackung des restlichen Materials - insbesondere des Tandems widmen. In drei Tagen geht's los!!!

In der Zwischenzeit haben wir übrigens auch noch unsere Federgabel umgebaut, damit wir einen LowRider Träger montieren können. Somit können wir auf das Gewicht am gefederten Hinterrad verzichten, da dort die Montage eines Trägers wesentlich umfangreicher ausgefallen wäre. Ausserdem funktioniert die Hinterradfederung so wesentlich freier.

Alle Testfahrten sind abgeschlossen und perfekt verlaufen. Auch der anfänglich hohe Rollwiderstand verflog sprichwörtlich, als wir einen Semi-Slick aufgezogen haben. Fazit: Extrem cool! Tandem sollte man nicht mit "Knubbelreifen" fahren - vor allem nicht am Hinterrad.

Ok - stay tuned!

Tom
4. Letzter Arbeitstag von Tom

Veröffentlicht: 2007-03-29

Es geht vorwärts!
Heute hat Tom den letzten Arbeitstag vor der Reise. Karin ist bereits eine Weile "arbeitslos" und kann sich so perfekt um alles kümmern.

Morgen verpacken wir das Tandem für den Flug, was sicher wie jedesmal eine "nervenaufreibende Sache" ist - aber was solls. In drei Tagen geht's los!

Dran bleiben
5. Unsere ungefähre Route

Veröffentlicht: 2007-03-29

Zuerst fliegen wir über Singapur nach Adelaide, wo wir unseren Bob Yak Anhänger bei unseren Freunden in Empfang nehmen werden. Auch rüsten wir dort unser Tandem aus um mit dem Ghan nach Alice Springs zu gelangen.

Von dort führt uns ein 4x4 Track zum Uluru. Vom Uluru (ehemals Ayers Rock) zurück nach Alice Springs. Weiter führt uns der Weg Richtung Norden. Wir hoffen, dass die Regensaison dann bereits zu Ende ist, und wir - ohne von Überschwemmungen blockiert zu werden - hochradeln können. Wir versuchen nach Katherine in den Kakadu Nationalpark abzuzweigen - und dann von dort den Rest nach Darwin unter die fetten Mountainbike-Reifen zu nehmen.

Für alle dies interessiert - hier eine Karte als Übersicht.

Und übrigens: Hier ist unser "Road Train" (Foto vom Thunersee) — mehr Bilder in der Archivgalerie unten.
6. Gepackt !!

Veröffentlicht: 2007-04-01

Liebe Familie, Freunde, Kollegen, Lieferanten

Es ist soweit. Unser Material steht verpackt bereit (man beachte die Zeit dieses Posts...).

Endlich kann es losgehen.

Allerdings mussten wir uns den Start erst verdienen, denn unser Tandem liess sich nur widerwillig in eine Kiste "pressen" - letztendlich musste Tom praktisch das ganze Bike zerlegen, um es einigermassen kompakt verpacken zu können. Als Verpackungsmaterial dienten zwei zusammengeschobene "Standardbike-Kartons", die auf das gewünschte Mass zusammengeschnipselt wurden. Nun - da wir so umfangreich verpackt haben, sind wir wohl einige Kilos über der gewünschten Gewichtslimite. So hoffen wir auf ein gut gesinntes "Gegenüber", wenn wir Morgen mit unserem ganzen Gepäck zum Check-in-Schalter rollen... Wir werden ja sehen (wieviel kostet schon wieder 1 kg Übergepäck ??? 1 % des Firstclass Tarifes... uiuiuii!).

Jedenfalls sieht das in etwa so aus wie auf den Bildern.

Nun hoffen wir, dass die Verpackung hält, was sie verspricht, und dass unser Roadtrain heil in Down Under ankommt.
Wenn alles gut geht, sind wir am Montag in Adelaide. Dort werden wir bei unseren Freunden Tony und Margaret alles wieder zusammensetzen und fahrtüchtig machen. Am Dienstag geht's mit dem Zug nach Alice Springs weiter.

Wir hoffen, unterwegs ab und zu ein paar Zeilen schreiben zu können und das eine oder andere Bild "up-zuloaden". Falls dem nicht so sein sollte - bitte nicht übel nehmen - wir sind im Urlaub.

Also - bis bald, direkt aus dem Roten Zentrum!
7. Singapore

Veröffentlicht: 2007-04-02

Der süssliche Duft und die hohe Feuchtigkeit in der Luft wecken in uns Erinnerungen an unsere Asien-Erlebnisse. Und, da wir uns die Sonderzeichen und Umlaute nicht mehr so einfach auf der Tastatur "abholen" können, zeigt uns auf - wir sind weit weg von zu Hause - nämlich bereits über 11000 km (Luftlinie).

Das Check-in mit unserer 206x90x24cm grossen Box und allen Radtaschen verlief in Zürich reibungslos - schon fast "zu einfach". Da wir sehr früh am Flughafen waren, wurden wir vom FirstClass Schalter bedient. Innert kürzester Zeit war all unser Gepäck aufgegeben und auch die Gewichtslimite war noch nicht erreicht. Übrigens konnten wir bei Singapore Airlines bereits im Vorfeld unser Tandem anmelden und dies wurde auch bestätigt.

Nun sind wir bereits seit vielen Stunden in Singapur. Wir haben uns innerhalb der Transferzone ein Hotel gegönnt (Stundenhotel ;o) und uns so prächtig erholen können. Nun geniessen wir noch ein wenig die Zeit bis es in 3 Stunden weiter geht - nach Adelaide.

Alles ist bis jetzt prima! Bis bald.
Karin & Tom
8. ULURU - Ayers Rock

Veröffentlicht: 2007-04-13

Liebe Freunde

Unser Tandem ist (so wie wir) wohlerhalten in Adelaide angekommen. Bei unseren Freunden Tony und Margaret konnten wir wiederum einen superangenehmen Aufenthalt verbringen, mit dem ersten "Aussie BBQ", Bier und ein paar Stunden Schlaf. Unser Gefährt liess sich im Schatten des Gartens (mit Pool) prima zusammensetzen. Natürlich kamen auch die Nachbarn und Kinder und Grosskinder, um das Swiss Couple zu sehen.
Tony geleitete uns am nächsten Tag mit seinem Rennrad zur "The Ghan" Station. Die nächsten 26 Stunden zuckelten wir denn mit diesem legendären Zug mitten durchs Australische Niemandsland - direkt nach Alice Springs. Dort genossen wir die ersten paar Tage auf unserem Campground und erholten uns etwas von der doch langen Anreise.

Am 3. Tag in Alice legten wir los. Der erste Tag war mit 90 km angenehm kurz - allerdings machte uns das Gewicht am "Hänger" anfänglich ein wenig zu schaffen. Trotzdem waren diese Kilometer ein idealer Einstieg um uns wieder an die australischen Verhältnisse heranzutasten. Der zweite Tag verlief sehr ähnlich einfach etwas länger. Am dritten Tag lag dann eine lange Etappe vor uns. Wir stellten den Wecker sehr früh und packten alles zusammen. Das Müsli durfte natürlich nicht fehlen und dann gings los. Leider nicht weit - eigentlich nur gerade 10 Meter - dann verabschiedete sich die Synchronkette (die Kette zwischen Karin und Tom) vom Kettenblatt und verklemmte sich. Also - abladen und Kette wieder einbauen. Unser gut überlegter Werkzeugsatz hat sich bewährt, sodass wir kurze Zeit später losfahren konnten. An diesem langen Tag hat uns das Outback etwas die Zähne gezeigt. Da der Wind von der Wüste her wehte (mehr oder weniger direkt in unsere Gesichter), stieg auch die Temperatur deutlich an. Wir mussten an diesem Tag "hart arbeiten", haben dann aber die fast 170 km doch geschafft und unsere Nacht im Roadhouse (inklusive serviertem Dinner) sehr genossen. Etwas verschlafen und mit ein wenig ramponierten Hinterteilen sind wir am nächsten Tag die letzten 85km zum Ayers Rock Resort gefahren. Das Gefühl beim "Einfahren" war überwältigend!
Nun geniessen wir hier die Zeit und erholen uns vom ersten Teil. Da unser geplanter Track momentan für uns nicht ratsam ist (Regen der letzten Wochen!) und wir keine Lust haben, denselben Weg nach Alice Springs zurückzufahren, werden wir uns nun einen Bus mieten um damit die Gegend etwas unsicher zu machen ;o)
Wir melden uns wieder, wenn wir irgendwo einen Internetzugang finden (und Zeit und Lust zum Schreiben haben).

Fotos konnten wir bis jetzt leider nirgends hochladen - vielleicht klappts später noch.
9. back in "the Alice" - mit einem defekten Velo...

Veröffentlicht: 2007-04-17

Mit unserem KIA Büssli sind wir also von Yulara (Ayers Rock Resort) via Kings Canyon zurück nach Alice Springs gefahren. Unterwegs beim Kings Canyon (welcher ein Top-Resort zu bieten hat), machten wir eine Pause um den atemberaubenden Rim-walk rund um den Kings Canyon zu machen. Für uns beide war der Kings Canyon ein absolutes Erlebnis - die Wanderung ist wunderschön!

Nun, gestern Abend, beim Ausladen unseres Materials hat sich ein Rätsel gelöst, welches wir auf den letzten Kilometern auf dem Bike nach Yulara vergeblich zu lösen versuchten: Ein seltsam schlingerndes Fahrgefühl stellte sich ein. Wir gingen eigentlich davon aus, dass dies mit unserem relativ müden Gesamtzustand zusammenhing. Leider war dem nicht so. Beim einklinken des Bob Yak Anhängers, stellten wir fest, dass der ganze Hinterbau unseres Bikes seitwärts beweglich ist! Dies ist natürlich alles andere als gut. Genauere Untersuchung ergab, dass (Achtung, es wird technisch...) das Hauptlager der Hinterradschwinge über ein beachtliches Spiel "verfügte". Wir versuchten das Lager noch auf dem Campingplatz einzustellen - und wie in Australien üblich - wollten alle Nachbarn mithelfen. Gemeinsam versuchten wir den benötigten, megagrossen, 10-mm-Inbus-Schlüssel aufzutreiben. Leider hatte niemand so ein Teil mit dabei. So hiess es für uns erstmal warten, Grill-food kaufen und etwas feines "bräteln".

Heute Morgen machten wir uns die vielen Tips zu Nutze und fuhren mit unserem Büssli (zum Glück hatten wir dieses noch) in eines der zahlreichen und absolut unglaublichen Auto-Bastel-Shops, um das benötigte Werkzeug zu erstehen. Es könnte ja sein, dass wir dieses Schwingenlager unterwegs wiedermal einstellen müssen. Ausserdem haben wir beim Hersteller des Rahmens den genauen Typ der Industrielager angefragt, damit wir diese im Notfall hier in Alice Springs kaufen (oder suchen) können.
Jedenfalls liess sich das Lager, zu unserem grossen Glück, recht einfach und vor allem absolut fix wieder festdrehen. Auf schweizerdeutsch sagt man wohl "Schwein gehabt". Noch mehr Schwein haben wir wohl gehabt, dass wir uns den eigentlich geplanten Mereenie Loop (ca. 300 km Waschbrettpiste) erspart haben. Das hätte nämlich das lose Lager nicht überstanden. So oder so - es ist alles wieder in Ordnung.

Übrigens: Falls ihr mal mit dem Velo durchs Outback fahren solltet, in Alice Springs gibt es einen absoluten Top-Bikeshop! Die Leute dort (übrigens ein Specialized Shop) machen einen sehr guten Job. Einfach dem Stuart Hwy Richtung Norden folgen - dort ist der AVANTI Bikeshop. Aber wer fährt schon mit dem Velo durch's Outback :o)??

Ok. Nun werden wir noch ca. drei Tage hier verbringen - ein paar wunderschöne Schluchten warten noch darauf, von uns entdeckt zu werden - bevor wir wieder in die Wüste aufbrechen und den Weg Richtung Darwin unter die Reifen nehmen.
Evtl. schaffen wir es noch, von hier aus ein paar Bilder zu posten. Mal sehen.
Alles liebe, Karin und Tom
10. Endlich - die ersten paar Bilder für euch

Veröffentlicht: 2007-04-19

Liebe Freunde

Endlich haben wir es geschafft, irgendwo einen Platz zu finden, an dem man Bilder hochladen kann (darf). Das war gar nicht so einfach.

Hier nun also die ersten paar Eindrücke. Viel Spass!

Weitere Fotos in der Archivgalerie unten.

Übermorgen fahren wir wieder los Richtung Norden. Wir werden uns länger nicht mehr melden können.

Bis dann
T&K
11. Tennant Creek

Veröffentlicht: 2007-04-27

Tennant Creek!
Am 26. April rollen wir in Tennant Creek ein. Ja, wir haben länger gebraucht als erwartet, das ist tatsächlich so. Es gibt einen einfachen Grund dafür: GEGENWIND! Tja, leider ist uns der Wind nicht gnädig - respektive er macht uns das Leben nicht gerade einfach. Seit wir Alice Springs verlassen haben, bläst uns absolut regelmässig ein zum Teil starker Wind von Norden oder Nordosten entgegen - eigentlich immer mehr oder weniger genau aus der Richtung, in die wir gerade "rollen". Aber nun der Reihe nach...
Wohl erholt und bester Dinge verlassen wir frühmorgens am 21. April Alice Springs Richtung Norden. Den ersten Tag haben wir 140km zu strampeln, was eigentlich recht ordentlich geht - trotz bereits ordentlichem Wind. Das Roadhouse stellt sich als prima heraus, wurde doch vor kurzer Zeit alles prima renoviert und superschön gepflegt. Generell stellen wir fest, dass sich die Besitzer der Roadhouses ihre kleinen Paradiese sehr schön zurechtmachen. Gegenüber der Reise vor sechs Jahren ein enormer Unterschied. Sogar hat es bei den meisten RH's einen Pool, sodass wir uns jeweils am Nachmittag richtig schön abkühlen können.
Den nächsten Fahrtag gestalten wir absichtlich relativ kurz, um uns noch etwas vom Vortag zu erholen. Der Wind frischt auf, sodass uns der kurze Tag auch schon ziemlich in die Waden geht. Am Nachmittag machen wir auf "faul" und treffen Tony und Carol, ein weiteres reisendes Australisches Ehepaar (er 70, sie ca. 60), welche uns auch gleich zu sich in ihren 80000 Dollar Wohnwagen zum Z'Nacht einladen. Wir nehmen dankend an. Carol kocht einen vorzüglichen Gemüse Gratin. Zum Trinken wird folgendes angeboten: Scotch mit Cola, Bourbon mit Cola, Gin und und und (alle Schnäpse dieser Welt) aber kein Wasser. Wir dachten zuerst, dies sei ein Scherz, merkten dann aber, dass dies ernst gemeint war. So entschieden wir uns für Scotch on coke und Weisswein... Wir lernten ausserdem den Hund Lucy kennen, welcher am liebsten Scotch on coke mag - das ist kein Witz - ein alkoholabhängiger Hund, der sogar noch mit einem speziellen Bell-Laut klar macht, wann die nächste Dosis fällig ist! Wir hatten einen sehr unterhaltsamen Abend mit den beiden, die uns wohl am liebsten adoptiert hätten. Herzlichst! Solche Erlebnisse kann man wahrscheinlich nur mit dem Velo reisend erleben.
Der nächste Tag ging wie üblich früh los. Leider hatten wir an diesem Tag echtes Windpech. Eigentlich wollten wir aufgrund des Winds nach 90km beim nächsten RH abbrechen. Jedoch war dieses RH in einem wirklich erbärmlichen Zustand. Wir wollten die Nacht nicht dort verbringen und kauften alle Vorräte (Wasser, Brot etc.) ein, um ein Wildcamp zu machen. Wir fuhren weitere gute zwei Stunden bis auf eine Restarea mit Wassertank. Dort verbrachten wir die Nacht, mit wiederum zwei Aussie-Rentner Paaren.
Den Rest teilten wir also in möglichst kurze Teilstücke inkl. Pausen-Halbtage mit Pool etc. Es folgte der Besuch und die Übernachtung bei den atemberaubenden Devils Marbles. Wir genossen den Sonnenuntergang und natürlich auch den Sonnenaufgang an diesem wundervollen, heiligen Ort.
Der letzte Fahrtag nach Tennant Creek hatte es nochmals ziemlich in sich, sodass wir uns über die Ankunft sehr gefreut haben. Am Abend haben wir Willy Hooker, den Old Bush Tucker Man kennengelernt, welcher uns über Bush Tee und Damper etc. Auskunft gegeben hat. Auch hat er ein Mittel (trockene Blüten) hervorgezaubert, welches mit Wasser in den Händen zerrieben einen Schaum entwickelt, welcher die Sonnenalergie an Karins Oberschenkeln unglaublich schnell praktisch verschwinden liess. Es war höchst amüsant, diesen lustigen Kauz, der weder lesen noch schreiben kann, trotzdem einen Preis für seine Gedichte erhalten hat, kennen zu lernen. Ausserdem lernten wir vor dem Supermarkt einen älteren Mininarbeiter kennen (mining ist hier die Hauptbeschäftigung der harten Kerle), welcher uns die erlösenden "Sätze" lieferte: "Dieses Wetter ist absolut unüblich... Der verdammte Wind von Norden bringt uns die ganze Feuchtigkeit, die wir hier nicht wollen. Normalerweise ist es fast 10 Grad kühler und es weht ein starker und kühler Wind aus Süden..." Ein älterer Aboriginal meinte dann noch: "Der Wind wird drehen, ihr werdet ok sein...". Also lassen wir uns einfach etwas Zeit und sehen was geschieht.
Ok, das war's für den Moment. Frühestens in Katherine werden wir wieder schreiben können. Ach ja, für alle, die jetzt denken, wieso tun die sich das an... Schaut die neuen Bilder an... Und, ein kaltes Bier, ein kühler Pool oder ein feines Essen ist nirgends besser als nach einem dieser Tage. Es ist pures Leben - evtl. etwas schwierig zu verstehen, aber wahr. Bis bald!
Yours, Karin und Tom

Fotos von der Strecke: Archivgalerie unten.

12. Katherine

Veröffentlicht: 2007-05-10

Und da sind wir wieder...

Die längsten Etappen und auch der grösste Teil der gesamten Strecke liegen nun hinter uns. Wir sind in Katherine eingerollt, und somit definitiv in den Tropen gelandet. Den Wechsel des Klimas haben wir intensiv miterleben können. Die Landschaft hat sich innerhalb eines Tages drastisch verändert. Die Temperaturen sind nun seit ein paar Tagen etwas gesunken, sodass man nun von "einem normalen Winter" sprechen kann, mit angenehmen 34 bis 36 Grad im Schatten. Während der Nacht kühlt die Luft auf ca. 23 Grad ab, wir schlafen also noch immer prima im Zelt.

Der Weg von Tennant Creek nach Katherine war recht lang. Die Strecken haben wir bewusst so kurz als möglich gehalten, um immer möglichst viel vom Nachmittag an der neuen Destination verbringen zu können. Wie immer waren wir auch auf dieser Strecke das Gesprächsthema in den Pubs und auf den Campgrounds und Kontakte knüpfen war für uns stets sehr einfach. Sehr interessante und lustige Gespräche mit den reisenden Locals waren also die Folge.
Im legendären "Daly Waters Pub" haben wir übernachtet. Dieser sehr "unübliche" Platz ist eine Übernachtung mehr als wert, vor allem auch des unglaublich feinen "Barra (Barramundi = ein unglaublich beliebter Fisch) + Steak BBQ" am Abend. So sassen wir also da unter Palmen bei feinstem Fisch und Steak und horchten der lokalen Unterhaltung einer one-man-show. Es war ein aberwitziger Abend, bis wir ins Zelt zurückkehrten. Leider hatte der Wind nun gedreht, sodass der "Dampf" des WC Tanks wunderbar zu uns ins Zelt wehte. Welch herrliche Brise um davon in den Schlaf betäubt zu werden! Jedenfalls haben wir die Biogas-Attacke überlebt und sind weitergeradelt.
Unterwegs haben wir Francois angetroffen, einen Franzosen auf langer Weltreise, welcher auf dem "Australien-Stück" von seiner Frau Monique begleitet wird. Francois ist früh pensioniert und geniesst nun sein Leben in vollen, aber anstrengenden Zügen.
Bezüglich des Gegenwindes können wir gutes berichten. Lediglich während den ersten zwei Tage nach Tennant Creek waren wir noch mit Gegenwind gesegnet, danach drehte der Wind wie erwähnt und schob uns teilweise sogar tüchtig an. Wir genossen es sehr, für einmal so richtig rassig vorwärts zu kommen. Jedenfalls hat sich das Tandem so oder so als das bessere Touren-Transportmittel herausgestellt. Man ist damit definitiv komfortabler, schneller und konstanter unterwegs. Die schweren Lasten lassen sich so eindeutig besser transportieren.
Tierisches haben wir wiederum etliches erlebt. Unzählige Kängurus, Raubvögel, Papageien etc. kreuzten unseren Weg, ja auch wieder ziemlich grosse Spinnen, welche sogar die Zahnbürste von Tom attackierten! Ausserdem wurde Karins Helm innerhalb eines Tages kurzerhand in ein Wespennest umfunktioniert und Tom musste auf einer Rinderfarm ein aufdringliches Emu (stämmig wie ein Strauß) mit einer leeren Wasserflasche verscheuchen. Es läuft immer etwas, wenn man in Australien zeltet. Am Morgen werden wir von der ganzen Vogelschar geweckt - Natur!
In Mataranka genossen wir den Besuch und das Schwimmen in den Bitter-Springs und in den Mataranka Thermal Pools, welche 34 Grad warmes und glasklares Wasser enthalten. Baden in diesen warmen mit Palmen gesäumten Mangrovenwäldern ist ein echtes Erlebnis, vor allem da man hinter jedem Palmenblatt Krokodilaugen vermutet! Die Salzwasserkrokodile wurden ja angeblich nach der Wet-season entfernt...
In Katherine verbrachten wir nun vier schöne Tage mit Ausflügen, Bootsfahrt, Cafes und der ganzen Zivilisation, um Morgen früh die letzten ca. 400-500 Km unter die Reifen zu nehmen, um letztlich in Darwin abzuschliessen. Wir werden uns von dort wieder melden.
Ach ja, es sind wieder neue Fotos — in der Archivgalerie unten.

Viel Spass!
Tom und Karin
13. Darwin - abreisebereit

Veröffentlicht: 2007-05-27

Liebe Freunde
Seit unserem letzten Bericht haben wir sehr viel erlebt! Die letzte (eigentlich kurze) Strecke, steckte nochmals voller Überraschungen. Das Top-End hat uns ganz ordentlich herausgefordert. Vor allem die eigentlich längst beendete (eben nicht...) Wet-Season machte uns ganz gut zu schaffen. Aber nun der Reihe nach:

Gut ausgerüstet und bester Dinge sind wir in Katherine zur letzten Etappe aufgebrochen. Die Luftfeuchtigkeit war bereits in Katherine deutlich angestiegen, jedoch sollte dies noch längst nicht der Höchstwert sein. Auch der Wind hat sich auf der letzten Etappe eher wieder gegen uns gewendet und somit auch die feuchte und wirklich warme Luft vom tropischen Norden in den Süden gebracht. Ebenfalls wurden wir in zwei Nächten tatsächlich von Regen überrascht. Nicht einfach so ein bisschen Regen, der zweite Sturm brachte 80mm Regen, was der doppelten Menge des ganzen Monates Mai entspricht. Es hat geblitzt und gedonnert, wie wir dies noch nirgendwo vorher erlebt haben. Dieser Umstand war eigentlich schon ziemlich mühsam, da wir mitten in der Nacht raus mussten, um unser Aussenzelt überzustülpen. Wir haben nämlich jeweils nur noch das Innenzelt aufgestellt, da die Nächte einfach zu heiss waren. Also, raus und irgendwie provisorisch das Überzelt drauf - und da waren sie auch schon - unsere echten Feinde: die Moskitos! Es hatte (und hat) wirklich extrem viele Mücken, da noch soviel Wasser "rumliegt". Dieses Wasser wird durch die hohe Hitze von der Luft aufgenommen, und dies macht die Luft ca. 30 % zu feucht für die jetzige Zeit. Tja, so haben wir einige Nächte nicht so besonders gut geschlafen.

Unser Weg hat uns zu den wunderschönen Edith Falls und zum Litchfield Nationalpark geführt. Dort wollten wir eigentlich eine schöne Bootsfahrt auf einem Billabong machen, welche wir bei der Reise vor 6 Jahren per Zufall entdeckten. So nahmen wir also den Umweg von fast 100km (pro Weg) in Kauf. Am Ziel angekommen erfuhren wir, dass diese Firma Pleite gemacht hat, und wir 70km Dirtroad fahren müssten, um zum neuen Ausgangspunkt der Tour zu gelangen. Also - die Tour war für uns leider "gestrichen".
Vom nördlichen Ende des Litchfield Parkes führt eine "Dirtroad" (Naturstrasse) direkt nach Darwin. Natürlich wollten wir diese befahren um ca. 100km einzusparen. Als wir dann jedoch erfuhren, dass die Strasse eben neu "geglättet" wurde, bedeutete dies für uns, dass die sonst harte Piste mit weichem Material (Kies und Sand) "gefüllt" wurde und diese daher für uns sehr schlecht befahrbar sein würde. Mehrere Leute haben uns denn auch klar abgeraten - das bedeutete für uns: den ganzen Weg zurück. Prima! Es war aber trotz allem eine unglaublich schöne Fahrt mit vielen Bademöglichkeiten, Wasserfällen etc. Allerdings waren die Mücken auch dort wieder sehr zahlreich und aggressiv.

Kurz vor Darwin wartete ein weiteres Highlight auf uns, die Berry Springs. Dieser wunderschöne und wenig bekannte Nationalpark wartet mit atemberaubenden Quellen (warmes Wasser) in urwaldähnlicher Umgebung auf. Wir hatten die Quellen frühmorgens für uns ganz alleine!
Die letzten Kilometer bis nach Darwin hatten wir mit dem Verkehr etwas zu kämpfen. Darwin und vor allem der nach Darwin rollende Verkehr haben sich, seit wir vor sechs Jahren hier gestartet sind, drastisch verändert. Der Stuart Highway ist hier nicht mehr zu erkennen! Von zweispurig bis sechsspurig! Aber, wir haben es natürlich geschafft und uns ca. 20km vor Darwin in einem wunderschönen Resort niedergelassen. Eine "Miet-Villa" hat's auch gleich "dazu gegeben" ... siehe Fotos ;o)

So haben wir uns prächtig erholt und unsere Abreise organisiert. Der Anhänger ist bereits auf dem Heimweg per Schiff und das Tandem ist verpackt im Hotelzimmer. So fanden wir Zeit, einen unglaublich beeindruckenden Flug zum Kakadu-Nationalpark zu machen und die atemberaubende Landschaft aus der Vogelperspektive zu geniessen. Es war wunderschön und eindrücklich, diesen riesigen Nationalpark aus der Luft bestaunen zu können - schlicht unbeschreiblich! Die Fotos sind live - wir wünschen viel Spass! Vom grossen Salzwasserkrokodil, bis zum Seeadler konnten wir alles live beobachten.

Nun ist bereits der letzte Abend in Darwin angebrochen und wir werden nun zu einem romantischen Dinner aufbrechen. Morgen fliegen wir nach Adelaide, wo wir nochmals eine Nacht bei unseren Freunden Margaret und Tony verbringen können. Anschliessend fliegen wir via Singapore zurück nach Zürich, wo wir versuchen werden unsere unauffällige Tandem-Box in einen SBB Zug zu schmuggeln ;o) Der diensthabende Kondukteur wird sich freuen auf uns!

Also, bis bald zuhause
Wir freuen uns auf euch!
Karin und Tom

Luftbilder Kakadu und mehr: Archivgalerie unten.

14. Nachtrag für alle Statistiker

Veröffentlicht: 2007-05-28

Natürlich darf auch dies nicht fehlen:

Reisedauer (gesamt)2 Monate
Total Km2496
Fahrtageetwa die Hälfte
Reifenpannen0 !!!!!! keine einzige!! (Schwalbe Marathon XR Reifen mit fetten Schläuchen)
Ketten1 Satz
Speichenbrüche0
Spaghettica. 10 Kg
längste Tagesstrecke168km
höchste Temperatur44 Grad
Flüssigkeit /Tag und Personca. 8 Liter

Weitere Infos und mittlerweile die Erfahrung von 6 Monaten Outback-biken geben wir sehr gerne persönlich bekannt!

Also, bis sehr bald!